Das Ohr Gottes

Im Haus der Kirche in Düsseldorf, wo ich als Superintendent früher mein Büro hatte, waren die Räume der ökumenischen Telefonseelsorge nur zwei Treppen tiefer. Ein Knotenpunkt des Trostes und der Anteilnahme mitten in der Großstadt. Mehr als einhundert solcher Knotenpunkte gibt es in Deutschland! Sie spannen gemeinsam ein unsichtbares und doch tragfähiges Netz der Hilfe durch unser Land. Die Telekom stellt dafür seit 1997 unentgeltlich die technische Infrastruktur zur Verfügung: Aus allen Netzen kann die Telefonseelsorge kostenlos erreicht werden.

Frau tippt Nachricht an Mobiltelefon
Viele Menschen suchen per Telefon anonym Trost und Anteilnahme © Ifotes

Oft, wenn ich mich nach einem langen Arbeitstag auf den Heimweg machte, begegnete ich im Treppenhaus oder in der Tiefgarage den Ehrenamtlichen, die bald ihre Nachtschicht beginnen würden. Wir grüßten uns beiläufig, vielleicht wechselten wir auch ein paar Worte, aber habe ich ihnen je gesagt, wie sehr mich ihr verlässliches Engagement beeindruckt? „Das Ohr Gottes“ weiterlesen

Reisen bildet

Ein rechteckiger oranger Zettel fällt mir seit Montag immer wieder ins Auge. Er steckt mit anderen Unterlagen in einer der zahlreichen Klarsichthüllen auf meinen Schreibtisch. Nur zwei Worte stehen darauf: „Orientierung stiften“. Es ist nicht meine Handschrift, sondern die eines Kollegen von Brot für die Welt.

Wir haben in einer Kleingruppe miteinander diskutiert. Über das, was wir beide in unserer Arbeit tun möchten: Orientierung stiften. Aber was heißt das eigentlich 2016 für eine soziale Institution der Kirche in einer komplexer werdenden Gesellschaft? – Wir wissen es noch nicht. „Reisen bildet“ weiterlesen

Gemeinsam stark

Den schönsten, weil mit Abstand lebendigsten Termin in dieser Woche hatte ich bereits am Montag. Und er wirkt noch nach. Ich war zu Gast bei der berührenden Eröffnungsfeier der Special Olympics Hannover 2016, der nationalen Spiele für Menschen mit geistiger Behinderung.

Die große Eröffnungsfeier der Special Olympics (Foto: SOD/ Jörg Brüggemann OSTKREUZ)
Die große Eröffnungsfeier der Special Olympics (Foto: SOD/ Jörg Brüggemann OSTKREUZ)

Flagge, Flamme, Eidesformel und ein fröhlich-farbexplosives Bühnenprogramm – es wurde alles geboten. Mehr als 10.000 Menschen, Euphorie auf Rängen und in der Arena, das war eine ganz besondere Show.  „Gemeinsam stark“ weiterlesen

Gut Kirschen essen

„Das mit den Flüchtlingen regt mich auf. Das stimmt doch alles nicht.“ Die Frau, Mitte 50, Berlinerin, wurde energisch. Sie habe schon vor Monaten beschlossen, keine Nachrichten mehr zu verfolgen. Als gäbe es keine anderen Themen. Wo sie denn bitte wären, diese Flüchtlinge? All das Gezeter um eine Islamisierung Deutschlands, das sei doch Quatsch. In ihrem Alltag hätte sich rein gar nichts verändert. Sie habe sich durch Medien und Internet manipuliert und aufgehetzt gefühlt.

Kirschen in einer Schale
Lieber Kirschen pflücken statt Zeitung lesen – geht das?

Das wolle sie nicht zulassen. Darum habe sie sich eine Nachrichtensperre verordnet. Es sei früh genug, sich eine Meinung zu bilden, wenn tatsächlich Flüchtlinge in ihrem Leben auftauchten. Von Angesicht zu Angesicht. Und jetzt führe sie in den Garten. Zum Gießen. „Gut Kirschen essen“ weiterlesen

Beeindruckende Lebenskraft und sehr viel menschliche Not

Er sitzt mir im Rollstuhl gegenüber. Ein kräftiger junger Mann, die Baseballkappe verkehrt herum auf dem Kopf. Vor drei Jahren schon verlor Mohammed in Damaskus bei einem Bombenanschlag beide Beine und einen Arm. Auf einem Auge ist er seitdem fast erblindet. Seit neun Monaten lebt der 28-Jährige in einer diakonischen Einrichtung* für besonders schutzbedürftige Flüchtlinge in Berlin-Lichterfelde.

Präsident der Diakonie Ulrich Lilie unterhält sich mit Mohammed, der im Rollstuhl sitzt.
In der Gemeinschaftsunterkunft in Lichterfelde leben 280 besonders schutzberdürftige Geflüchtete – so wie Mohammed. © Ute Burbach-Tasso

Tischler hat er in Syrien gelernt, erzählt er mir in gebrochenem Deutsch, einer der Betreuer – seit fünf Jahren in Deutschland – übersetzt. Grafik-Design würde Mohammed jetzt gerne studieren. Er möchte gestalten und wünscht mir Frieden und Erfolg, als wir uns verabschieden. „Beeindruckende Lebenskraft und sehr viel menschliche Not“ weiterlesen

Pfingsten: die Muttersprache Gottes verstehen

Die Pfingsterzählung vom Heiligen Geist in Apostelgeschichte 2 ist ganz großes Kino. Special effects inklusive: Brausen, Feuerzungen vom Himmel und Fremdsprachenwunder. Ich werde am Sonntag in Berlin darüber zu predigen haben. Für den Blog möchte ich nur einen Satz aus der Pfingstgeschichte aufgreifen: „Als nun dieses Brausen geschah, kam die Menge zusammen und wurde bestürzt; denn ein jeder hörte sie in seiner eigenen Sprache reden.“

Viele Menschen warten zur Hauptverkehrzeit auf einem U-Bahngleis in New York City © Chris Ford unter CC 2.0 via
Geschäftiges Treiben zur Rush Hour in New York – eine ähnliche Szene beschreibt Lukas in der Apostelgeschichte. © Chris Ford unter CC 2.0 via

Lukas filmreife Dramaturgie unterstreicht, wie wichtig das Ereignis für seinen Entwurf der Geschichte ist, aber entscheidend sind nicht die Blitze und nicht das Getöse, entscheidend ist die Sache mit dem Hören und Verstehen. „Pfingsten: die Muttersprache Gottes verstehen“ weiterlesen

Menschen mit Behinderung: Den eigenen Lebensweg bestimmen

Weg von der Fürsorge- und Sozialhilfe-Idee, hin zu einem modernen Recht auf gesellschaftliche Teilhabe für Menschen mit Behinderung: Dafür kämpft die Diakonie gemeinsam mit anderen Verbänden und zusammen mit Menschen mit Behinderungen schon seit Jahren. Das geplante Bundesteilhabegesetz ist ein bedeutender Schritt in die richtige Richtung. Aber es birgt aber auch  Risiken neuer Benachteiligung.

Diakonie in Japan

Bis Ende April besuche ich als Mitglied einer Delegation der EKD unsere Partnerkirchen in Japan, genauer in Tokio und Umgebung. Der Anlass ist eine deutsch-japanische kirchliche Konsultation.

Delegation der EKD und Partnerkirchen in Japan
Delegation der EKD und Partnerkirchen in Japan

In Japan Christ zu sein, heißt, als Minderheit zu leben. Nur 1,5 bis 2 Prozent der Menschen gehören einer christlichen Gemeinde an, und nur etwa 700 000 von ihnen sind Protestanten. „Diakonie in Japan“ weiterlesen

Migrantenmedizin in Hamburg – Hilfe für Menschen ohne Krankenversicherung

„Westend – hoffnungsorte hamburg“ bietet seit 2011 eine kostenlose Sprechstunde für Menschen ohne Krankenversicherung an – die Migrantenmedizin. Jeden Dienstag werden in Wilhelmsburg rund 20 Besucher von der sehr engagierten Leiterin Melanie Mücher und ihrem tollen Team aus Ärzten, Dolmetschern und Helfern kostenlos beraten und behandelt – ein wahrer Hoffnungsort. Die meisten dieser Menschen kommen aus Bulgarien und Rumänien.

Viele Migrantinnen und Migranten aus Osteuropa leben unter sehr prekären Bedingungen. „Migrantenmedizin in Hamburg – Hilfe für Menschen ohne Krankenversicherung“ weiterlesen