„Was soll ich werden?“

Jetzt machen sie sich wieder schön in Köln, in Düsseldorf, in Bonn oder in Münster; für die tollen Tage. „Was soll ich werden?“, lautet dabei die entscheidende Frage. Mona Lisa mit Rahmen, aber mit meinem Kopf? Marilyn Monroe? Oder gehe ich doch wieder als Hippie?

Wir werden sie sehen. Und sicher werden sich die Jecken mit ihren Kostümen wieder alle Mühe geben.

Was für die tollen Tage ein lustiges Vexierspiel ist, wird im realen Leben für viele zu bitterem Ernst.

Viele junge Mädchen wissen nicht wirklich, was sie werden wollen: Sollen sie so bleiben, wie sie sind, oder werden, wie es ihnen in den Modelshows vorgegeben wird? Sie sind wegen diagnostizierter Magersucht in psychotherapeutischer und ärztlicher Behandlung.

Zum Beispiel K. Sie war acht Wochen in einer Spezialklinik. Ihr Gewichtsverlust hatte sich gesundheitsschädlich und lebensbedrohend entwickelt. Sie kontrollierte ihr Essverhalten extrem und wie unter Zwang. Regelmäßig informierte sie sich über einen Blog, in dem ein ganzes Netzwerk von jungen Mädchen sich gegenseitig mit lebensfeindlichen Tipps versorgt: Morgens viel trinken, das verdrängt für eine Zeit das natürliche Hungergefühl.
Verzweifelte und ratlose Eltern kommen in die Erziehungsberatungsstellen. Der Preis der täglichen Topmodell-Suche nicht nur auf dem Schulhof ist hoch. Die Fixierung auf einen Körper ohne ein Gramm Fett und der entsprechende Dresscode werden zum Beginn einer lebensfeindlichen Abwärtsspirale.

Magersucht ist aber nicht nur ein Problem junger Mädchen. Zunehmend erkranken auch Männer daran.

Du bist schön! Sieben Wochen ohne Runtermachen.

So lautet das menschenfreundliche Motto der diesjährigen Fastenaktion der Evangelischen Kirche, die nach dem Aschermittwoch beginnt.

„Du bist schön!“ – dieses Kompliment ist das beste Gegengift gegen die um sich greifende Optimierungswut des eigenen Körpers.

Lebensfeindlich und menschenuntauglich ist das still zu sich selbst gesagte „Ich bin nicht schön genug“ beim Blick in den morgendlichen Spiegel wie das „du bist nicht schön genug“ vor dem abendlichen gemeinsamen Verlassen des Hauses.

„Du bist schön!“ – Ich möchte die nächsten Wochen einüben das Unverwechselbare und Einmalige zu sehen und neu schätzen zu lernen – an mir und meinen Nächsten
; und etwas freigiebiger mit echten Komplimenten sein.

Übrigens ist dies das Plakatmotiv. Vielleicht sehen Sie es ja in den nächsten Tagen.

7 Wochen ohne - Plakatmotiv

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *