Komm ins Team Diakonie!

„I Bims 1 Pflegekraft vong Herzen her“. Weiße Schrift auf schwarzem Grund. Sie fragen sich, was das heißen soll? Na, das ist „Jugendsprech“ für „Ich bin von ganzem Herzen/leidenschaftlich gern Pflegekraft“. Das so beschriftete Shirt ist in diesem Jahr eines unserer „Give aways“ zum Aktionstag Pflege am 12. Mai.

Recruiting offensiv. Diakonie-Präsident Ulrich Lilie mit dem Shirt zum Aktionstag Pflege 2018.

Bei den Aktionen in dieser Woche, an deren Ende der Internationale Tag der Pflege steht, wollen wir zukünftige Kolleginnen und Kollegen für die herausfordernde und erfüllende Arbeit in Altenheim, Krankenhaus oder ambulanter Pflege interessieren. Wir wollen nicht nur auf den Pflegenotstand aufmerksam machen, sondern zugleich zeigen, dass die Diakonie schon heute eine attraktive Arbeitgeberin ist. Wir wollen aktiv zugehen auf die jungen Männer und Frauen, die derzeit überlegen, wie und wo sie ihre berufliche Laufbahn beginnen können. Und wir wollen die Menschen, die schon in der Pflege tätig sind, darauf aufmerksam machen, dass wir als drittgrößte Arbeitgeberin Deutschlands einiges zu bieten haben.

Deshalb laden die Diakonie Deutschland und der Deutsche Evangelische Verband für Altenarbeit und Pflege (DEVAP) auch in diesem Jahr alle Pflegeheime, ambulanten Pflegedienste und Pflegeschulen der Diakonie ein, diesen Aktionstag mit zu gestalten. Das Ziel: Mitarbeitende für die Pflege zu gewinnen. Unser Motto: „Wir suchen die Guten! – Komm ins Team Diakonie!“

Land auf Land ab sind Aktionen und Veranstaltungen geplant. Die Ideen auf der Aktionshomepage reichen vom Berufekino, über Quereinsteigertests bis zum Bewerbungsspeeddating. Mögliche Interessentinnen und Interessenten können ihre Bewerbungsmappen gleich mitbringen. Besonders spannend fürs erfolgreiche „Menschenfinden“ scheint mir auch der Diakonie-Kanal bei Talentry zu sein, über den Mitarbeitende der Diakonie ihren Freunden und Bekannten digital empfehlen können, sich bei der Diakonie zu bewerben. Das bringt viel weitere Reichweiten als das übliche Empfehlen.

Aktionstag Pflege und Recruiting

Ich selber werde ganz analog als „Hospitant“ einen Pflegerundgang im Seniorenzentrum des Evangelischen Vereins für Innere Mission EVIM im hessischen Mainz-Kosheim begleiten, mit den Mitarbeitenden sprechen und auch mit Vertretern der lokalen Politik. Die Kommunen  müssen in der Versorgung der alternden Bevölkerung wieder eine zentrale Rolle spielen – auch das verändert die Qualität der Pflege und ihre Berufe.

Die Probleme des Pflegenotstands, auf den die Diakonie seit Jahren hinweist, sind endlich auch in der bundespolitischen Debatte vernehmbarer geworden: Ich spiele auf die berühmten 8.000 neuen Stellen an, die im Koalitionsvertrag versprochen wurden. Eine rein symbolische Zahl, denn tatsächlich fehlen ja zehntausende Pflegekräfte. Allein im vergangenen Jahr, so die Zahlen des Gesundheitsministeriums, waren im Durchschnitt 36.000 Stellen nicht zu besetzen. Konkret heißt das: Es gibt Regionen Deutschlands, in denen Pflegeeinrichtungen keine neuen Bewohnerinnen und Bewohner aufnehmen können, weil sie schlicht kein Personal mehr finden. Was bringt also die Verheißung neuer Stellen, wenn sie nicht besetzt werden können? Was Arbeitgeber von der Politik brauchen, sind konkrete Hilfen bei der Rekrutierung, auch bei der Anwerbung von internationalen Fachkräften: einfachere Anerkennungsprozesse für Berufsabschlüsse auch aus Drittstaaten, Fördermittel für Integrationscoaches und Rekrutierungsprojekte, Gütesiegel für Personalvermittler und und und. Auch darauf wollen wir mit unserer bundesweiten Großaktion zum Recruiting aufmerksam machen.

Finanzierung der Pflege

Außerdem steht der Aktionstag Pflege auch für weitergehende Forderungen, die wir an den Gesetzgeber haben: Es braucht verlässlich finanzierte Rahmenbedingungen, die diesem verantwortungsvollen Beruf und seinen Anforderungen tatsächlich gerecht werden. Ja, das kostet Geld – es geht aber auch um die Wertschätzung der Mitarbeitenden durch gute Bezahlung u n d die Würde der zu Pflegenden, unserer Eltern und Großeltern. Wir sind gefragt, was uns unsere Eltern und Großeltern wert sind, wie ernst es uns mit dem vierten Gebot wirklich ist. Das hat auch etwas mit der Frage zu tun, wofür wir Geld ausgeben und wofür eben nicht. Es führt kein Weg daran vorbei, in den Pflegesätzen mehr Personal anzuerkennen und das auch zu finanzieren. Es geht um angemessene, faire Bezahlung, um verlässliche Arbeitszeiten, aber auch darum, Weiterbildung und Personalmaßnahmen zur psychischen und körperlichen Entlastung und Prävention verlässlich zu ermöglichen.

Pflege wird noch wichtiger, als sie heute schon ist, denn Deutschland wird immer älter. Wir auch. Das Thema geht uns wirklich alle an. Nur ein paar Zahlen: Während 2013 etwa 4,4 Millionen Menschen 80 Jahre und älter waren, werden es 2050 – so schätzen es Experten – fast 10 Millionen sein. Und natürlich steigt mit dem Alter auch das Risiko, pflegebedürftig zu werden. Im Dezember 2015 waren in Deutschland 2,86 Millionen Menschen pflegebedürftig. 234.000 Menschen mehr als 2013. 2030, also in zwölf Jahren, sollen es 3,4 Millionen sein – Tendenz steigend. Wir haben keine Zeit zu verlieren. Wir brauchen Pflegekräfte, die mit Leidenschaft und unter guten Rahmenbedingungen ihrem wunderbaren Beruf nachgehen können. Jetzt.

4 Gedanken zu „Komm ins Team Diakonie!“

  1. Sehr geehrter Herr Lilie,
    mit dem T-Shirtspruch „I Bims 1 Pflegekraft vong Herzen her“ möchten Sie Pflegekräfte gewinnen? Eigentlich ein guter Ansatz. Aber erlauben Sie mir bitte die eine oder andere Frage, um deren Beantwortung ich Sie bitte.

    Uns ist allen klar, dass wir mehr Pflegekräfte benötigen. Was wir aber mindestens genauso dringend brauchen, ist die Forderung nach qualifizierten Fachpflegekräften. Das Stichwort hier lautet: Generalisierung des Berufsbildes bzw. dessen Akademisierung. Glauben Sie, mit so einem Spruch auch künftige Fachpflegekräfte gewinnen zu können, die empathisch, gleichzeitig aber auch fachlich mehr als kompetent dem uns anvertrauten (multimorbiden) Menschen auf seinen letzten Tagen zu begleiten?

    Glauben Sie, dass allein Leidenschaft und Herz ausreichend sind, fachlich gute Aussagen oder Feststellungen zu treffen, die dem Wohl des Anvertrauten dienen? Also Verwender dieser „Jugendsprache“ mit knallharten pflegewissenschaftlichen Texten konfrontieren zu können und Verinnerlichung zu erwarten?

    Was ich in Ihrem Text vermisse, sind Hinweise auf gute Bezahlung und Aufstiegschancen, Dinge, die für jeden Arbeitnehmer relevant sind. Was ich hingegen kritisiere, ist die Tatsache, dass offensichtlich mit dem Gießkannenprinzip der Flächenbrand „Pflegenotstand“ gelöscht werden soll, ohne eine grundsätzliche Ursachenbekämpfung zu betreiben, die auch Selbstkritik beinhalten darf.

    Auf Ihre Antworten freue ich mich schon jetzt.

    In der Hoffnung auf einen Meinungsaustausch

    Verbleibt mit freundlichen Grüßen
    Frau Sofa

    1. Liebe Frau Sofa,
      gerne antworte ich Ihnen auf Ihre Fragen!
      Bei dem Spruch „I BIMS 1 Pflegekraft vong Herzen her“ handelt es sich um eine augenzwinkernde Anwendung des Jugendworts 2017. Wir haben damit die ganz alltägliche zeitgemäße Jugendsprache aufgegriffen, um junge Menschen für die Pflege zu begeistern und ihnen zu zeigen, dass die Diakonie eine moderne Arbeitgeberin ist.
      Ihren Kommentar verstehe ich so, dass Sie glauben, Menschen, die diesen Spruch gut finden, seien nicht empathisch, gebildet und qualifiziert und könnten die pflegewissenschaftlichen Inhalte der Ausbildung nicht verstehen. Diese Einstellung teile ich nicht. Man kann durchaus etwas Humor haben und gleichzeitig eine kompetente Pflegefachkraft oder ein intelligenter Azubi sein. Hinweise zur Bezahlung und zu den Aufstiegschancen im sozialen Bereich (ich halte diese Informationen wie Sie für sehr wichtig) geben wir ausführlich im Diakonie Karriereportal unter karriere.diakonie.de. Und zu den Ursachen des Pflegenotstandes: Wir bringen seit Jahren das Thema immer wieder in die Politik ein – nicht nur über den jährlichen Aktionstag Pflege. Das werden wir auch weiterhin tun, denn das Thema ist uns eine Herzensangelegenheit!

      Viele Grüße aus Berlin!
      Ulrich Lilie

  2. Jetzt! Ist Zeit,das ich Ihnen mal ein paar Takte huste.Im Jahr 2011,als ich frühberentet wurde,erschien ein Zeitungsartikel in der BZ,das die Sozialstation Kandern kein exam.Fachpersonal findet und besonders im Minijobbereich …jammerjammer..
    Also bewarb ich mich dort und bekam folgendes Topangebot: 7 Euro in der Stunde,könnte gleich anfangen:-)))) Ebenso die Bonifazius Sozialstation in Lörrach. Bezahlung,Tarife,Arbeitsrecht interessiert die Diakonie nicht.
    Derart motiviert habe ich mein Examen gerahmt ins WC gehängt und bin erstmal für 10 Euro im Hotel Zimmer putzen gegangen.Denn dort ist der Arsch vom Klo schon weg und sitzt nicht noch drauf,wie in der Pflege.Dazu Trinkgeld ,gratis Essen und gepflegte Konversation mit dankbaren Hotelgästen.
    Würde mir privat nie erlauben,jemandem für eine Dienstleistung weniger als 12 Euro zu zahlen.Nepp wie der Erlebte bei der Diakonie verträgt sich nicht mit meinem christlichen Weltbild. Das ein derartiges Vorgehen nicht gerade Werbung für den Beruf macht,sollte Ihnen klar sein.
    Arbeiten für einen Gotteslohn,dafür mit viel Herz,das ist vorbei.In Zukunft werden Sie qualifiziertes Personal nur bekommen,wenn Arbeitsbedingungen UND Geld stimmen.Sie sehen an der Personalnot,das Ihnen langsam die Dummen ausgehen.Die Zukunft sieht anders aus.Ihr könnt zusammenpacken ohne Fachkräfte,denn die Zeiten der Ausbeutung sind vorbei.So wird kein Nachwuchs mehr nachkommen. Wer will es den Jungen verdenken.Es ist auch keine Perspektive,sich für wenig Lohn in der Pflege ein Leben lang abzurackern,während das eigene Sozialleben leidet, um dann in Altersarmut zu landen.Gesellschaftliche Anerkennung sieht anders aus:-)
    Bin im übrigen zu einem privaten Pflegedienst gegangen u.noch heute gerne dort.Neben guter Arbeitsbedingungen schafft mein Chef es,anständige Löhne zu bezahlen,obwohl er im Gegensatz zur Diakonie keine Fahrzeuge gespendet bekommt,sondern den Fuhrpark erwirtschaften muss.Wobei er uns trotzdem ermöglicht,eine menschlich – fachlich gute Pflege zu leisten,für die man sich nicht schämen muss.
    Es sind Institutionen wie die Diakonie,die die Pflege mit an die Wand gefahren haben.
    Die Rechtlosstellung der Mitarbeiter,ständiges Einspringen,kein verbindliches Frei,miese Löhne,Überstunden ,schlechte Personalführung,unmässiger Verschleiss durch Personalknappheit ect.pp.
    Seit 20 Jahren liest man Texte wie Ihren und nichts ist passiert.
    Meine Erfahrungen aus über 30 Jahren,speziell mit kirchl. Trägern lassen nicht zu,jungen Menschen zum Pflegeberuf zu raten.Verbessern Sie die Rahmenbedingungen,aber erheblich,oder Sie werden ein Pflegefiasko erleben,das Ihre Vorstellungen sprengt.

    1. Ich kann Sie ja leider nicht persönlich ansprechen, da Sie lieber anonym bleiben wollten. Ich antworte in der Regel nur personalisierten Mails. Ihren Zorn und Ihre Einwände finde ich aber wichtig. Danke, dass Sie sich Luft machen, Sie sprechen sicher stellvertretend für viele andere.
      Auf Rückfrage beim Verband der diakonischen Dienstgeber habe ich gelernt, dass die von Ihnen erwähnte Bonifazius Sozialstation in Lörrach ein Unternehmen der Caritas ist, und die Sozialstation Kandern eine gemeinsame Unternehmung von Caritas und Diakonie. Welcher Tarif dort heute angewendet wird, konnte ich nicht herausfinden. Aber: 90 Prozent unserer Mitgliedseinrichtungen arbeiten tarifgebunden. Da gibt es unterschiedliche z.B. regionale Tarife, auch wenn die Arbeitsvertragsrichtlinien der Diakonie Deutschland (AVR DD) die Leitwährung sein sollen. Laut AVR DD West soll eine 39-Stunden-Stelle ab 1. März 2018 im ersten Jahr monatlich mit 2910 Euro vergütet werden. Damit sind die Tarifverträge innerhalb von Caritas und Diakonie übrigens die mit der größten Flächenbindung in diesem Bereich.
      Aber Sie wollten 2011 ja nicht Vollzeit arbeiten, sondern im Minijob. Auch da galt bereits – für examinierte Altenpflegefachkräfte, die auch diese Tätigkeit ausgeübt haben (also nicht als „Fahrdienst“ oder „Küchenhilfe“ gearbeitet haben) – der Pflegemindestlohn. Dieser betrug 2011 in Westdeutschland 8,50 Euro/Stunde. Heute liegt er bei 10,20 Euro/Stunde – und gilt bei allen Arbeitsvarianten, also Teilzeit/Vollzeit/ Minijob etc. Er stellt eine unterste „Haltelinie“ dar, nach der vergütet werden muss – trägerunabhängig. Insofern hätten Sie damals zumindest auf diesen Mindestlohn – bei entsprechender Tätigkeit – auch Anspruch gehabt.
      Der Fachkräftemangel führt inzwischen zu tendenziell guten bis sehr guten und stetig steigenden Vergütungen auch in der Pflege, Hilfskräfte mit geringeren Qualifikation werden aber auch entsprechend geringer vergütet. Die diakonischen Arbeitgeber, die gehalten sind sich an den AVR DD zu halten, sollten einer Pflegefachkraft heute zwischen 2910 und 3370 Euro zahlen – ohne Zulagen. Ein großes Problem ist, dass diese höheren Löhne nicht von der Pflegekasse gegenfinanziert sind, sondern aus der Eigenbeteiligung gedeckt werden müssen – was oft zu einer Erhöhung der Kosten für die Pflegebedürftigen führt. Wenn die nicht bereit oder in der Lage sind, die höheren Kosten zu tragen und sich für Einrichtungen entscheiden, die günstiger sind, auch weil sie ihre Pflegekräfte schlechter bezahlen – hat die Diakonie ein weiteres Problem.
      Ihre Mail ist auch ein Verweis darauf, dass die Finanzierung der Pflege eine andere Basis braucht, die eine angemessene Bezahlung von Pflegekräften ermöglicht. Darin sind wir uns wahrscheinlich einig.
      Mit guten Wünschen und freundlichen Grüßen aus Berlin!
      Ulrich Lilie

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