Zeig dich, Diakonie!

„Zeig dich! Sieben Wochen ohne Kneifen“ ist das Motto der evangelischen Fastenaktion, die am Aschermittwoch beginnt und bis Ostern dauert. Zunächst löst der Slogan bei mir leisen Spott aus: Diese Kombination von Fastenzeit und „Ohne Kneifen“ lädt zu Albernheiten ein. Aber warum nicht? FastenaktionIrritation und Humor sind nicht die schlechtesten Wege, in ein ernstes Thema einzusteigen. Und im Kontext des Glaubens, über Mut und Zivilcourage nachzudenken, das gefällt mir. Ich habe mich jedenfalls gerne beteiligt und für das Themenheft „Zutaten“ eine Andacht zum Barmherzigen Samariter beigetragen. „Zeig dich, Diakonie!“ weiterlesen

Raus aus der Filterblase

Am Sonntag, den 17. Juni 2018 spielt die deutsche Nationalmannschaft in der Fußballweltmeisterschaft gegen Mexiko, der Aufstand vom 17. Juni 1953 jährt sich zum 65. Mal, und die muslimische Welt feiert das Ende der Fastenzeit. Und am Tag vor diesem Sonntag, also am Samstag, den 16. Juni, begehen wir den zweiten Tag der Offenen Gesellschaft. Letzteres ist mir an diesem Wochenende am Wichtigsten. Bitte vormerken!

Ein tolles Erlebnis: Tag der offenen Gesellschaft 2017 auf dem Tempelhofer Feld in Berlin. Für dieses Jahr wünsche ich mir noch mehr Vielfalt. © Stephan Röger

Ich wünsche mir, dass wir auch in Kirchengemeinden und diakonischen Einrichtungen an diesem Tag aktiv werden und die unterschiedlichsten Menschen an den unterschiedlichsten Tischen unkompliziert zusammenbringen: zum Essen, zum Reden und Kennenlernen, zum lebendigen Austausch über das Land, in dem wir gemeinsam leben. „Raus aus der Filterblase“ weiterlesen

Die Relevanz der Nächstenliebe

„Ist Nächstenliebe 2030 noch relevant? Impulse für eine strategische Vision zur Zukunft von Kirche und Diakonie.“ So ist eine Diskussion überschrieben, an der ich Anfang Februar in Heidelberg teilnehmen werde. Das Diakoniewissenschaftliche Institut lädt gemeinsam mit dem Sozialwissenschaftlichen Institut der EKD sowie den Landesverbänden Baden und Württemberg zu einer Fachtagung und einer Zukunftswerkstatt ein.

Nächstenliebe: Eine Frau umarmt einen älteren Mann
Nächstenliebe: Sie verwirklicht sich im diakonischen Handeln, sowie hier in der ambulanten Pflege ©Annette Schrader

Das Thema ist mir seit meinen ersten Berufsjahren ein Anliegen. Ich bin damals bewusst in ein Krankenhaus und nicht in eine Gemeinde gegangen, weil ich überzeugt bin, dass das Evangelium seinen Glanz entfaltet, wenn es auf die Breite der gesellschaftlichen Wirklichkeit trifft und nicht nur auf bestimmte Milieus. „Die Relevanz der Nächstenliebe“ weiterlesen

Unerhört! Diese Obdachlosen!

Wenn ich morgens mit der S-Bahn zur Arbeit fahre, begegnet mir häufig ein junger Mann. Er ist obdachlos und verkauft das Straßenmagazin. Er tut dies mit den immer gleichen Worten, selbst sein Verhaspler an der einen Stelle ist immer gleich. Sein Blick ist verschämt zu Boden gerichtet. Kaum jemand schaut hoch, wenn der junge Mann redet. Kaum jemand hört ihm zu. Unerhört! Dieser Obdachlose!

Unerhört! Diese Obdachlosen!  Haben Sie es schon gesehen? Mit diesen Worten plakatieren wir derzeit schon in Berlin, bald überall in Deutschland. Die violetten Plakatwände markieren den Startschuss  der neuen Diakonie-Kampagne „Unerhört“. „Unerhört! Diese Obdachlosen!“ weiterlesen

Durst in Deutschland

Ohne Wasser – kein Leben. Die 59. Spendenaktion von Brot für die Welt widmet sich dem Recht auf Wasser. Fast 850 Millionen Menschen auf unserem Planeten haben keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser. Sie und ich – wir gehören ganz klar nicht dazu. In meinem Büro etwa steht immer eine Karaffe mit Wasser. Und wenn die Statistik stimmt, müssen wir zur Kenntnis nehmen, dass jeder und jede von uns täglich rund 123 Liter Wasser verbraucht. Einfach so, ohne groß darüber nachzudenken. Das sind mehr als 12 Zehn-Liter-Eimer am Tag. So hoch war der Pro-Kopf-Wasserverbrauch in Deutschland jedenfalls im Jahr 2016.

„Ohne Wasser kein Leben!“: 850 Millionen Menschen haben keinen Zugang zu sauberem Wasser. © Jörg Böthling / Brot für die Welt

Wir trinken, waschen, duschen, baden, spülen, gießen, putzen täglich mehr als 12 Wassereimer leer – in der Regel in Trinkwasserqualität. Und niemand von uns muss auch nur einen dieser Eimer mit Wasser vom Brunnen oder vom Fluss nach Hause tragen. Wir in Deutschland sind reich, auch an Wasser. Wir schleppen nicht, sondern öffnen stattdessen einen der vielen Wasserhähne in unserem Zuhause. Das lässt sich nebenbei mit nur drei Fingern machen. Kinderleicht, rasch ein Glas Wasser zu trinken, um sich den wirklich wichtigen Dingen in unserem Leben zuwenden. „Durst in Deutschland“ weiterlesen

Wie Engel singen

„Hellhörig werden“, so habe ich in diesem Jahr meine Gedanken zum Weihnachtsfest überschrieben. Dazu gibt‘s einen kleinen Film – über die Stille im Lärm der Stadt, das Staunen im Großstadtgetriebe und einen Spaziergang vom Sitz der Diakonie Deutschland an der Caroline-Michaelis-Straße zur Krippe: „Wie Engel singen“ weiterlesen

Bitte Lesen: Die Gesellschaft der Singularitäten

„Wohin wir auch schauen in der Gesellschaft der Gegenwart: Was immer mehr erwartet wird, ist nicht das Allgemeine, sondern das Besondere. Nicht an das Standardisierte und Regulierte heften sich die Hoffnungen, das Interesse und die Anstrengungen von Institutionen und Individuen, sondern an das Einzigartige, das Singuläre“, so beginnt der Kultursoziologe Andreas Reckwitz sein neues, jetzt schon preisgekröntes Buch zum Strukturwandel in der Moderne. Titel: „Die Gesellschaft der Singularitäten“.

Menschenmenge
Menschenmengen auf einem Weihnachtsmarkt – durch sein Buch ermöglicht Reckwitz‘ den Lesern, in dem gesellschaftlichen „Wimmelbild“, in dem wir uns bewegen, eine Struktur zu entdecken. ©yuuka1 CC 2.0 via

Ich lese es gerade und bin fasziniert von dieser klugen soziologischen Analyse, die mir hilft, manche Verwerfung in unserer Gesellschaft besser zu verstehen: Phänomene wie Pegida oder Castingshows, Barcelona-Hype und Prenzlauerberg-Chic, Entsolidarisierung oder Aggressivität in den Sozialen Medien gewinnen einen Zusammenhang. „Bitte Lesen: Die Gesellschaft der Singularitäten“ weiterlesen

Cha-Cha-Cha, Kirchenjahr

In der kommenden Woche bin ich zu einem Neujahrsempfang nach Hannover eingeladen. Am 7. Dezember. Der Termin liest sich ein wenig schräg im Kalender. Mein Blick bleibt jedenfalls immer wieder irritiert an dem Eintrag hängen: Neujahr, Anfang Dezember?

Silvester, Feuerwerk
Das alte Kirchenjahr ist fast vorbei ©Pierre Wolf CC 2.0 via

Da passt doch was nicht. Vermutlich möchte Diakovere, das große diakonische Unternehmen in der Leine-Stadt, mit dieser Einladung genau das bei seinen Gästen erreichen: eine kleine Irritation, die einen kurz aus dem üblichen Takt bringt. Einen Stolperschritt lang tanzt eine andere Zeitrechnung durch den stark säkularisierten Kalender: Cha-Cha-Cha, Kirchenjahr. Neujahr ist Anfang Dezember. „Cha-Cha-Cha, Kirchenjahr“ weiterlesen

Qualitätsjournalismus und Nächstenliebe

Es gibt Situationen, in denen sich entscheidet, was für ein Mensch man sein möchte. So ähnlich formulieren es die freien Journalisten Stephan Beuting und Sven Preger zu Beginn ihrer investigativen Radio-Dokumentation „Der Anhalter“, einem Feature über einen Mann, der seit bald 40 Jahren auf deutschen Straßen unterwegs ist – und nie anzukommen scheint.

Zwei Männer, der recht Mann nimmt den anderen Mann mit einem Hörfunkgerät auf.
Stephan Beuting (rechts) mit dem Protagonisten Heinrich aus der Doku-Serie „der Anhalter“. ©Stephan Beuting/Sven Preger

Die beiden haben gerade in der Kategorie Hörfunk  den Deutschen Sozialpreis gewonnen, einen der wichtigsten Journalistenpreise hierzulande. Seit 1971 wird er, gestiftet von den Spitzenverbänden der Freien Wohlfahrtspflege, für herausragende Arbeiten in der Sozialberichterstattung verliehen. Ich durfte gestern den Preis überreichen. Aus der Begründung der Jury: „Neben der Brisanz, die das Thema ohnehin hat, erleben die Hörer, wie man sich tiefgründig und sanft, spannend und auch witzig der Biographie eines Menschen am Rande unserer Gesellschaft nähern kann.“ „Qualitätsjournalismus und Nächstenliebe“ weiterlesen

Inklusion: Oberlin, Merkel und Altonavi

Der Pfarrer Johann-Friedrich Oberlin ist schuld, dass die Bundeskanzlerin in dieser Woche  Gast der Diakonie in Potsdam war. Sie hat dort die diesjährige Oberlin-Rede gehalten: Thema Inklusion. Ohne den elsässischen Sozialreformer, der 1871 sein Haus für Kleinkinderbildung gründete, gäbe es heute kein Oberlinhaus mit 13 Tochtergesellschaften und rund 1.800 Beschäftigten, die für und mit etwa 30. 000 Kindern und Menschen mit Behinderungen arbeiten.

Inklusion leben: eine Baustelle in Altona Mitte
Kanzlerin Merkel setzt sich für mehr Inklusion ein. Wie das in der Stadtplanung funktionieren kann, habe ich im Neubaugebiet Neue Mitte Altona und dem Diakonie Projekt Altonavi gesehen. ©txmx 2 CC 2.0 via

Der Name Oberlin steht für eine dieser diakonischen Geschichten, an deren Anfang einige wenige Menschen mit einer menschendienlichen Mischung aus einer guten Idee und Geistesgegenwart aktiv wurden. Menschen, die ganz bestimmt nicht mal davon träumten, dass ihre Initiative in fast 150 Jahren solche Ausmaße annehmen würde. „Inklusion: Oberlin, Merkel und Altonavi“ weiterlesen