Erinnern

Ballastexistenz. Ein widerlicher Propagandabegriff für Menschen mit geistiger Behinderung, den der Freiburger Psychiater Alfred Hoche und der Leipziger Jurist Karl Binding 1920 in die damalige gesellschaftliche Debatte um die “Euthanasie” einbrachten. Zwanzig Jahre bevor Adolf Hitler mit einer Notiz die gnadenlose Maschinerie der Patientenmorde im NS-Staat in Gang setzte, plädierten die beiden nicht aus “rassenhygienischen”, sondern vor allem aus ökonomischen Gründen für die aktive Tötung schwer geistig behinderter Menschen. „Erinnern“ weiterlesen

Lob der Mehrdeutigkeit

Gutes Essen für alle. Wer wollte dagegen sein? Morgen demonstriert in Berlin ein breites gesellschaftliches Bündnis für eine nachhaltige Landwirtschaft, für gesunde, bezahlbare Nahrungsmittel, für die so dringend notwendige sozial-ökologische Transformation, die alle Lebensbereiche erfassen muss.

In diesem Jahr gehört Diakonie Deutschland erstmals zu den offiziellen Unterstützer:innen der Großdemonstration “Wir haben es satt”, die seit 2001 den Auftakt der weltgrößten Agrarmesse “Grüne Woche” kritisch begleitet. Auch so geht “Diakonie mit anderen”. „Lob der Mehrdeutigkeit“ weiterlesen

Gegen sexualisierte Gewalt

“Jeder Tag zählt.” Dieser kurze Satz von Julia Sander, Mitglied des Betroffenenbeirates der Diözese Freiburg, geht mir nach. Im Deutschlandfunk hat sie in dieser Woche aus ihrem Leben erzählt: Von Gewalt in ihrer Kindheit, vom Missbrauch durch einen allseits beliebten, sehr nahbaren Priester, dem sie vertraute, von Menschen im Umfeld, die “es” nicht wissen wollten, von ihrem langen Überlebensweg, vom anhaltenden zähen Kampf mit den Institutionen der Kirche. Davon wie wichtig es für sie war, als Opfer anerkannt zu werden, und wie zermürbend es für Betroffene ist, darauf warten zu müssen, dass endlich die Wahrheit gesagt wird. „Gegen sexualisierte Gewalt“ weiterlesen

Logik der Wehrlosigkeit

Stall, Krippe, Engelschöre und ein neugeborenes Kind. So kommt Gott zur Welt. So schutz- und so liebebedürftig. So beginnt seine Friedensherrschaft. Wehrlos. Was für eine Geschichte tischt uns hartgesottenen Nachrichtensehern das Lukasevangelium auf! Gott wird Mensch und beginnt eine neue verwegene Gegenerzählung zu den gewohnten Bildern und Logiken der Macht, die das menschliche Miteinander zu oft vergiften und Leben immer wieder zerstören. „Logik der Wehrlosigkeit“ weiterlesen

Was für ein Jahr …

Zweifellos haben der Angriffskrieg auf die Ukraine und seine Folgen dem vergangenen Jahr ihren hässlichen Stempel aufgedrückt. Hunderttausendfacher Tod vor unserer Haustür, barbarische Zerstörung, Flucht, Energiekrise, Inflation sind seit dem 24. Februar die Treiber der Politik und prägen auch einen großen Teil der anwaltschaftlichen Arbeit in der Diakonie. „Was für ein Jahr …“ weiterlesen

Für die junge Generation

Unerhört! Diese Jugendlichen! Erinnern Sie sich an diesen Slogan aus der Unerhört-Kampagne der Diakonie?  Über Jahre haben wir auf Plakatwänden, im Internet, aber auch auf Veranstaltungen, mit dieser Kampagne fürs Zuhören geworben, dafür, dass der erste Schritt auf dem Weg zu einem Miteinander in einer Gesellschaft der Vielfältigen ist, miteinander zu sprechen, einander zuzuhören. Dass es besonders darum gehen muss, den Unerhörten Teilhabe zu ermöglichen. Denen, deren Stimmen überhört werden. Also auch den Stimmen und Meinungen der jungen Generation. „Für die junge Generation“ weiterlesen

Alle Jahre wieder

Vier große weiße Kerzen für die Adventssonntage, 24 kleine rote für die Werktage nach dem 1. Advent und gut 20 Bünde Tannengrün, gewunden um ein Kranzgestell aus Metall, Holz und Draht. Auch in diesem Jahr haben wir den Wichern-Adventskranz wieder in der Lobby des Bundestags aufgestellt. Ein freundlicher Gruß und ein herzliches Dankeschön für die Bundestagsabgeordneten und ihre Mitarbeiter:innen. „Alle Jahre wieder“ weiterlesen

Misstrauensvorschuss

Immerhin: Das Bürgergeld kommt, Hartz IV ist Geschichte. Das ist eine gute Nachricht, auch für alle, für die 52 Euro mehr im Monat gerade in diesen Zeiten einen erheblichen Unterschied machen. Aber es ist noch lange nicht das Ende der notwendigen Debatte. Heute haben Bundesrat und Bundestag über den im gemeinsamen Vermittlungsausschuss erzielten Kompromiss abgestimmt. Das Gesetz kann zum Jahresbeginn in Kraft treten.

Das ist nicht nichts, reicht aber natürlich vorne und hinten nicht, um die Inflation und die steigenden Energiepreise auszugleichen, und für alle Bürger:innen ein menschenwürdiges Existenzminimum sicherzustellen. Aber immerhin: Auch mehr sozialer Arbeitsmarkt, Beratung, Qualifizierung und Sozialarbeit sind damit versprochen. „Misstrauensvorschuss“ weiterlesen

Inspiration aus Polen

Wer erleben möchte, wie wirkungsvoll die Arbeit einer kleinen, aber gut vernetzten diakonischen Kirche mit klug gewählten Kooperationspartnern und sehr viel freiwilligem Engagement sein kann, findet derzeit in Polen großartige Vorbilder. Nur 70 000 Mitglieder hat die Evangelische Kirche in unserem Nachbarland. Das sind ungefähr 0.25 Prozent der Bevölkerung, aber sie ist mit ihrer Diakonie ein sehr vitaler Teil der polnischen Zivilgesellschaft. „Inspiration aus Polen“ weiterlesen

175 Jahre: #ausLiebe

Manchmal heißt Liebe, ein Start-up zu gründen, Bundestagsdebatten zu kommentieren, Oppositionsführer zu kritisieren, mit einer Ministerin über die Rolle von Nachhaltigkeit in den Sozialgesetzbüchern zu sprechen; oder Einrichtungen zu besuchen, Betroffenen zuzuhören und sich auf politischer Ebene für mehr Anerkennung sozialer Berufe einzusetzen: Liebe im Alltag der Diakonie hat sehr viele unterschiedliche Facetten. Ist zupackend und zuhörend, geduldig und auch mal ungeduldig und immer der Kompass unserer Arbeit.

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