Unerhört! Diese Obdachlosen!

Wenn ich morgens mit der S-Bahn zur Arbeit fahre, begegnet mir häufig ein junger Mann. Er ist obdachlos und verkauft das Straßenmagazin. Er tut dies mit den immer gleichen Worten, selbst sein Verhaspler an der einen Stelle ist immer gleich. Sein Blick ist verschämt zu Boden gerichtet. Kaum jemand schaut hoch, wenn der junge Mann redet. Kaum jemand hört ihm zu. Unerhört! Dieser Obdachlose!

Unerhört! Diese Obdachlosen!  Haben Sie es schon gesehen? Mit diesen Worten plakatieren wir derzeit schon in Berlin, bald überall in Deutschland. Die violetten Plakatwände markieren den Startschuss  der neuen Diakonie-Kampagne „Unerhört“.

Dazu gehören die Website www.unerhört.de und der Hashtag #zuhören, die darauf warten, sich mit Geschichten und Kommentaren zu füllen. Und das ist erst der Anfang: Drei Jahre werden wir uns für diese Kampagne Zeit nehmen, sie soll sich mit uns und Ihnen entwickeln. Natürlich nicht nur im Internet.

Denn es geht bei der Unerhört- Kampagne um viel mehr als um Werbung für die Diakonie. Es geht ums Zuhören, darum, wirklich miteinander in ein wechselseitiges Gespräch zu kommen. Sogar wenn es schwer fällt. Der Anfang aller diakonischen Arbeit ist das Zuhören, die vorbehaltlose Zuwendung. Das ist biblisch gut begründbar – vgl. Markus 10, 46 bis 52).

Einander zuhören zu können ist aber auch  das A und O einer  Demokratie, denn nur im Gespräch ist sie lebendig.  Darum ist es so schlimm, dass in unserer Gesellschaft dieser gesprächstötende Empörungsvirus grassiert. Damit wollen wir in der Diakonie uns nicht abfinden. Wir wollen Gespräche statt Empörung. Wir wollen auch, dass im Konzert der Geschichten solche  Menschen Stimme, Gesicht und Gewicht bekommen, deren Lebensgeschichten viel zu wenig oder viel zu verzerrt zu Gehör gebracht werden. Die schon Empörung auslösen, bevor sie verstanden worden sind: Geschichten von Menschen, die als Obdachlose, Flüchtlinge, Homosexuelle, Hartz-IV-Empfänger, Alte und und und „gelabelt“ werden. Wer fällt Ihnen noch ein? Unerhört! Diese Altenpflegerinnen!?

Gespräche statt Empörung

Die Doppeldeutigkeit des Begriffs „Unerhört!“ ist gewollt. Er soll provozieren. Wir wollen Diskussionen anstoßen über soziale Teilhabe und das Miteinander in unserer Gesellschaft und so in einen gemeinsamen Lernprozess eintreten, der uns alle verändern darf. Auch unter dem weiten Dach der Diakonie. Denn auch bei uns gibt es Unerhörte und Unerhörtes, das sich nur ändern kann, wenn wir lernen, uns besser zuzuhören. Zuhören ist der erste Schritt auf dem Weg zur Veränderung.

Unsere Welt verändert sich rasant, wird gleichzeitig überschaubarer und unübersichtlicher. Nur drei Stichworte: Globalisierung, Digitalisierung, Individualisierung. Wir haben so viel mehr Informationen zu verarbeiten, als wir verdauen können. Viele Menschen finden sich nicht mehr zurecht. Viele haben das Gefühl, in ihrer Lebenssituation nicht wahrgenommen zu werden. Nicht immer sind sie in sozialen Notlagen, aber sie fühlen sich doch an den Rand gedrängt in einer Welt, in der das Tempo steigt und die Gerechtigkeit auf der Strecke zu bleiben droht. Wir müssen reden – und zuhören. Einfach nur zusammensitzen und reden – und zwar ehrlich.

Aber wie? Im Deutschland des Jahres 2017/2018 verschwimmen auch die Grenzen zwischen freier Meinungsäußerung und gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit. Dem empörten Satz „Das wird man doch wohl sagen dürfen“ folgen in der Regel rassistische Verunglimpfungen gegen Flüchtlinge, Wohnungslose, Homosexuelle, Feministinnen, jüdische Mitbürgerinnen und Mitbürger oder Männer und Frauen in politischer Verantwortung –  mit und ohne Migrationshintergrund. Wer eine andere Meinung hat, wird niedergebrüllt oder auch symbolisch an einen Galgen gehängt.

Bewusst in diese Atmosphäre hinein zielt  unsere „Unerhört“-Kampagne. In einer Zeit vielfältiger Ausgrenzung fordert die Diakonie zum  gegenseitigen Zuhören auf – in der ganzen Gesellschaft. Und das bedeutet natürlich auch, das zuhörende Streiten, die strittige Auseinandersetzung nicht zu scheuen.

Orte des Zuhörens

In der Diakonie gibt es bereits viele Orte des Zuhörens und vielfältige Erfahrung im Zuhören. Unsere Arbeit mit Menschen gelingt nur da, wo diese Menschen gehört und ernstgenommen werden. Das ist ein Schatz, mit dem wir in den kommenden Jahren wuchern wollen. Machen Sie mit, mischen Sie sich ein, diskutieren Sie mit und treffen Sie die Menschen in ihrer Nachbarschaft. Losungswort: Unerhört. Wir sind viele. Wo erleben Sie sich als unerhört? Schreiben Sie uns und diskutieren Sie mit. Es geht um etwas, um unser Miteinander und um die Zukunft unserer Demokratie.

8 Gedanken zu „Unerhört! Diese Obdachlosen!“

  1. „Wir haben so viel mehr Informationen zu verarbeiten, als wir verdauen können. Viele Menschen finden sich nicht mehr zurecht. Viele haben das Gefühl, in ihrer Lebenssituation nicht wahrgenommen zu werden. Nicht immer sind sie in sozialen Notlagen, aber…“
    Aus meiner Sicht sind diese Menschen in sozialen Notlagen, wenn auch nicht zwingend in finanziellen. Bedauerlicherweise werden finanzielle und soziale Notlagen häufig gleichgesetzt.

  2. Obdachlose in Berlin.Ja,einige
    wollen keine Wohnung,aber der Rest? Unbezahlbar….aber hauptsache unsere Asylanten.Ich bin fast 60 Jahre, arbeite mtl. mindestens 200 Stunden,im 12 Stunden-Dienst.Ich möchte gern nach Potsdam ziehen,aber kein bezahlbarer Wohnraum.Und Sie sind für Familiennachzug?Ein arbeitender Steuerzahler muß leiden.Und außerdem werde ich keinen Cent für Mörder und Vergewaltiger ausgeben.

    1. Sehr geehrte Frau Heike Seiffert,
      danke für Ihre kritische Reaktion. Wie Sie sehe ich die in vielen Kommunen katastrophale Lage auf dem Wohnungsmarkt als ein riesiges Problem in unserem Land, das wir in der Diakonie seit Jahren an vielen Stellen ansprechen und dementsprechend auf Veränderung drängen. Über Jahrzehnte wurde die Wohnungsbaupolitik vernachlässigt, die Konsequenzen spüren auch Sie heute. Aber: Die Flüchtlinge sind nicht schuld an dieser Wohnungsnot. Im Gegenteil, die große Anzahl von geflüchteten Menschen hat uns allen geholfen, dass dieses dringende sozialpolitische Thema endlich wieder auf die Agenda der Politik gekommen ist. Erhebliche Mittel sind in die Förderung von bezahlbarem Wohnraum geflossen und sollen weiter fließen. Das hilft nur langsam, an machen Stellen gar nicht, weil hier viel mehr Wohnungen aus den Mietpreisbindungen herausfallen, als neue Wohnungen hinzukommen. Das führt zur Verdrängung von Menschen, die hohe Mieten nicht bezahlen können, die Spekulation mit renditeträchtigen Immobilien gerade in den attraktiven Ballungszentren verschärft diese Situation weiter. Es ist also viel komplizierter, und das wissen Sie ja selber. Auch Themen wie Familiennachzug kann man sach- und menschengerecht nicht in zwei Sätzen abhandeln. Nur so viel: Ich bin tatsächlich der Überzeugung, dass Integration von Menschen mit einer Bleibeperspektive dort erheblich erfolgreicher sein kann, wo die Mitglieder der Kernfamilie sich gegenseitig unterstützen können. Steuergeld hier einzusetzen, halte ich deswegen wirklich für sinnvoll. Nicht zuletzt darum habe ich immer davon gesprochen, dass eine erfolgreiche Integrationspolitik ein Marathonlauf ist, der Sachverstand genauso wie langen Atem erfordert.
      Ich wünsche Ihnen viel Erfolg bei der Wohnungssuche.
      Mit freundlichem Gruß, Ulrich Lilie

      1. Sehr geehrter Herr Lilje,
        Sie behaupten, die Flüchtlinge seien „nicht Schuld an der Wohnungsnot“. Damit aber schlagen Sie, der eine Wohnung besitzt, den Erfahrungen der Wohnungslosen und Wohnungssuchenden ins Gesicht. Die Wohnungssituation wurde durch die Masse der Flüchtlinge, die freie Wohnungen einzogen, stark verschärft, und wohnungslosen Einheimischen standen die Wohnungen nicht mehr zur Verfügung, weil die Flüchtlinge die Wohnungen belegten.
        Der Bürgermeister von Tübingen, Boris Palmer, ist da erheblich offener und direkter als Sie selbst: Er hat gesagt, dass es schwer ist, wohnungssuchenden Menschen zu erklären, dass die Flüchtlinge in die neu gebauten Sozialwohnungen einziehen können, sie selber aber nicht. Er hat im Interview gesagt, dass die Flüchtlinge einen Anspruch auf Unterbringung haben, die Wohnungssuchenden und Obdachlosen aber nicht.
        Wenn Sie sagen, dass die Flüchtlinge, die ins Land geholt wurden, nicht an der Wohnungsknappheit großen Anteil haben, dann verbreiten Sie hier Fake News. Sie beurteilen und bewerten alles von oben, aus der Sicht der Entscheidungsträger. Deshalb kritisieren Sie auch kaum die Politik, die sich offensichtlich nicht anstrengt, die Folgen ihrer Flüchtlingspolitik zu beseitigen.
        Die kürzeren Streichhölzer ziehen eben nicht Sie, sehr verehrter Herr Lilje, sondern die Wohnungs- und Obdachlosen.
        Sie gehen die Politik nicht an, die für die Folgen ihrer Handlungen nicht einstehen mag. Stattdessen kommen die üblichen Belehrungen und Behauptungen, wie es wirklich sei. Vor allem eins kehrt ja immer wieder: Die Welt sei zu kompliziert, dass einfache Menschen sie verstehen können. Und wer die Welt nicht versteht, kann sie nicht kritisieren, und er kann sich eben auch nicht an der Politik beteiligen. Er kann sich nur helfen lassen. Von oben eben.
        Zuhören geht anders. Diskussion geht anders.

        1. Sehr geehrter Herr Markus M.,
          vielen Dank für Ihren Kommentar. Nur so können wir ins Gespräch kommen. Vorneweg: Ich glaube, dass wir in dem, was uns Sorge bereitet und verärgert am Zustand unserer Gesellschaft gar nicht so weit auseinanderliegen – auch wenn wir aus verschiedenen Perspektiven auf die Probleme schauen. Wir ziehen (noch) andere Schlüsse, aber wir haben vielleicht doch ein ähnliches Ziel. Wir wollen in einer Gesellschaft leben, in der es sozial gerecht zugeht, die nicht von Ungleichheit gespalten wird und in der unterschiedliche Menschen friedlich und frei miteinander leben können. Oder ganz praktisch gesagt, in der die Menschen, die eine bezahlbare Wohnung suchen, auch eine finden können. Derzeit leben wir in einer Gesellschaft, in der für immer mehr Menschen spürbarer wird, dass soziale Ungleichheit ein großes Problem ist. In der Diakonie weisen wir schon lange auf diese Probleme hin, auch in Auseinandersetzung und Gesprächen mit Menschen, die politische Verantwortung tragen. Wenn wir und andere das nicht täten, behaupte ich, sähe es noch schlimmer aus.
          Die Wohnungsnot, die wir, die Sie erleben, ist doch nicht vom Himmel gefallen oder wurde von „den“ Flüchtlingen ausgelöst. Lassen Sie sich und ihren berechtigten Zorn bitte nicht für Menschenfeindlichkeit missbrauchen. Das hilft niemandem weiter.
          Einige Gedanken zur Vorgeschichte der Situation, in der wir jetzt leben: Soziale Ungleichheit, Wohnungsnot, Wohnungslosigkeit, ein unsicheres Existenzminimum, Altersarmut und eine mangelhafte Absicherung von Alleinerziehenden haben sich seit Mitte der Neunzigerjahre verstärkt. Reformen im sozialpolitischen Bereich hatten seitdem primär Einsparungen und Effektivierung zum Ziel, nicht aber eine wesentliche Verbesserung der Situation der von Armut betroffenen. Statt besser in Arbeit zu vermitteln und auskömmliche Arbeit zu fördern, wurde der Druck auf Leistungsbeziehende erhöht, das Hilfesystem zu verlassen. Der soziale Wohnungsbau wurde kaputt gespart und die Versorgung mit Wohnraum dem Spiel des freien Marktes überlassen – mit der Folge, dass Gentrifizierung und Verteuerung von Wohnraum heute die normale Situation in den Großstädten geworden sind. Außerdem ist die Verteilung von Einkommen und Vermögen stetig ungleicher geworden – das zeigt auch der 5. Armuts- und Reichtumsbericht.
          Aber, und das ist wichtig, um zu verstehen, warum es heute vielen so naheliegend scheint, in den Flüchtlingen „die Schuldigen“ zu erkennen: Nicht nur im sozialen Bereich wurde gespart. Auch Hilfsangebote für Migrantinnen und Migranten, die noch nach den kriegerischen Auseinandersetzungen in Bosnien und dem Kosovo ausgebaut worden waren, wurden sukzessive abgebaut. Auch das Asylrecht wurde faktisch immer weiter eingeschränkt. Flüchtlinge sollten gar nicht bis nach Deutschland kommen. Das war schon damals eine unrealistische Politik, die die Lage in der Welt – Kriege, Hunger, Klimawandel – ausblendete, so als ginge uns das alles nichts an. Die Diakonie und viele andere haben auch darauf immer wieder hingewiesen. Als dann 2015 bei steigenden Flüchtlingszahlen und der Frage, ob Flüchtlinge aktiv, polizeilich oder sogar militärisch an den deutschen Grenzen abgewehrt werden sollten, Gott sei Dank, humanitär und im Sinne einer Aufnahme entschieden wurde, stand für diese Menschen dann gar kein funktionierendes Hilfesystem mehr zur Verfügung. Sie erinnern sich, wie kreativ und selbstlos die Zivilgesellschaft damals aktiv geworden ist. Und wie viele Menschen angesichts der großen Not einfach geholfen haben.
          Die Situation erschien wie unvorhergesehen und außerplanmäßig. Europa und Deutschland waren schlicht nicht vorbereitet, auf lange sich abzeichnende Migrations- und Fluchtbewegungen langfristig und planmäßig zu reagieren. So konnte bei Teilen der Bevölkerung der Eindruck entstehen, dass eine Sondersituation über Deutschland hereingebrochen sei und soziale Sicherungssysteme plötzlich gefährdet wären. Diese Entwicklung kam aber nicht plötzlich. Und genauso wie eine weitsichtige Beschäftigung mit Migrationsbewegungen versäumt wurde, haben Verantwortliche in der Politik es versäumt, grundlegende Fragen der Existenzsicherung , der Wohnraumversorgung, des Familienlastenausgleichs oder der Hilfen für Ältere konstruktiv zu gestalten. Wo aber der Wohnungsmarkt allein dem Markt überlassen und als Folge verknappt wird und das Existenzminimum unter Sanktionsvorbehalt gestellt ist, ist wenig Spielraum für sozialen Ausgleich und eine Gestaltung von auskömmlichen Rahmenbedingungen für die unterschiedlichen Hilfe – und Unterstützungsbedürftigsten. Es liegt also nicht an den Flüchtlingen, sondern an langjährigen Versäumnissen der politischen Gestaltung.
          Und „der Staat“, die Politik in einer Demokratie, das sind auch Sie und ich, die wir wählen, die wir unsere Abgeordneten in die Pflicht nehmen können, und die Möglichkeit haben, diese Probleme anzusprechen und die wir selbst eine Verantwortung tragen, nach unseren Möglichkeiten bei der Lösung solcher Herausforderungen mitzuwirken. So wie Sie es gerade tun. Ich weiß sehr genau, das hilft nicht unmittelbar dabei, schnell bezahlbaren Wohnraum zu beschaffen. Aber ohne eine gründliche Fehleranalyse, ohne eine öffentliche Debatte über notwendige und tragende Lösungen und ohne unseren Eigenbeitrag kommen wir nicht zu guten Lösungen. Davon bin ich überzeugt.
          Bitte, setzen Sie sich weiterhin für eine sozial gerechte Gesellschaft ein, aber lassen Sie sich nicht dazu missbrauchen, andere Menschen, die auch auf Hilfe angewiesen sind, zu bekämpfen.

          Mit freundlichen Grüßen und guten Wünschen,
          Ulrich Lilie

          1. Sehr geehrter Herr Lilie,
            sehr geehrte Referentin,

            ich möchte gern in der Welt leben, die Sie beschreiben. Ich liebe Utopien. Der Unterschied zwischen uns besteht nicht darin, in was für einer Welt wir leben wollen, sondern welche Methoden wir anwenden. Ihr heiliger Zweck rechtfertigt eben nicht alle Mittel.

            Sie werfen mir vor, ich würde mich von wem auch immer für „Menschenfeindlichkeit“ missbrauchen lassen. Ich bestreite das. Ich bin gegen niemanden menschenfeindlich. Was Sie hier behaupten, ist einfach nur ein Schlagwort. Sie beweisen nicht das, was Sie behaupten.

            Sie behaupten, ich würde mich für Menschenfeindlichkeit missbrauchen lassen, ohne Ihre Behauptung zu belegen. Dieses SCHLAGwort, das Sie benutzen, dient nur dazu, Menschen ihre politische Stimme zu nehmen. Sie bauen durch Ihre Behauptung ein Tabu auf, das Ihnen politisch nützt. Denn alle, die bestimmte politische Forderungen haben, sind für Sie „menschenfeindlich“, was Sie nicht belegen können.

            Um es ganz klar zu sagen: Ich bin für eine Kontrolle der Grenzen der europäischen Union und eine Zurückweisung von Immigranten an den Grenzen. Ich bin nicht der Meinung, dass die europäische Union für das Elend in der Welt verantwortlich ist.

            Wenn Sie behaupten, diese Position sei „menschenfeindlich“, dann wollen Sie erreichen, dass Menschen sich nicht mehr politisch äussern. Ich weise dieses Ansinnen zurück, und behaupte, dass es menschenfeindlich ist, Menschen die Möglichkeit zu nehmen, sich politisch zu äußern und am Diskurs teilzunehmen. Ich wende mich damit gegen alle Tabus, die heute aufgestellt werden, um Menschen mit ihren Interessen aus dem politischen Diskurs auszuschließen.

            Wissen Sie, ich möchte den Sozialstaat erhalten. Ich glaube, dass er etwas unglaublich wertvolles ist, von dem die Gesellschaft als Ganzes profitiert. Ich lasse mir den Sozialstaat nicht zerstören von Leuten, die, warum auch immer, die Grenzen der EU für alle öffnen wollen.

            Ich fordere Herrn Lilie auf, sich persönlich der Diskussion zu stellen, z.B. auf dem Wohnungslosentreffen in Freistatt vom 22.7. bis zum 29.7.2018.

            MfG Markus M.

  3. Interessant: Im Mai 2017 hat eine Gruppe wohnungsloser Menschen (aus dem Projekt Wohnungslosentreffen) auf dem Kirchentag in Berlin das Gespräch mit Ulrich Lilie, dem Chef von der Diakonie Deutschland gesucht.

    Jetzt startet quasi aus dem Nichts heraus eine Kampagne, wo Ulrich Lilie bzw. die Diakonie dazu auffordert, den Menschen zuzuhören. Das ist zum einen spannend, weil das genau das ist, worauf das Projekt Wohnungslosentreffen (www.wohnungslosentreffen.de) hinweisen will. Inzwischen ist daraus die „Selbstvertretung Vereinter Wohnungsloser“ entstanden – wenn auch noch sehr in de Anfängen -, mit einem eigenen Leitbild:

    „Wir sind die Plattform der Selbstvertretung wohnungsloser und ehemals wohnungsloser Menschen, die sich auf den Weg gemacht haben. Wir engagieren uns für eine bessere Welt, die Überwindung von Armut, Ausgrenzung, Missbrauch, Entrechtung und Wohnungslosigkeit sowie für die Verbesserung konkreter Lebenssituationen: Alles verändert sich, wenn wir es verändern!
    Wir sind unterschiedlich und vielfältig. Wir sind Gruppen, Vereine, Einzelpersonen, Projekte, Initiativen, Unterstützende und Gleichgesinnte. Wir vernetzen uns und arbeiten auf Basis selbstbestimmter Regeln zusammen.“

    Ziel der Kampagne „Unerhört“ ist auch, (Eigen-)Werbung für die Diakonie zu machen – das wird immerhin nicht verschwiegen: „In der Diakonie gibt es bereits viele Orte des Zuhörens und vielfältige Erfahrung im Zuhören.“

    Diakonie Deutschland: Zuhören alleine reicht nicht!

    Wir benötigen solidarische Strukturen, Netzwerke, Initiativen und Projekte, um gemeinsam – und zwar gemeinsam mit wohnungslosen Menschen – diese Gesellschaft dauerhaft umzugestalten und gerechter zu machen und dafür zu sorgen, dass hinreichend bezahlbarer Wohnraum für alle zur Verfügung steht.

    Wohnungslose brauchen vor allem Wohnungen, und wohnungslose Menschen gehören aktiv einbezogen in alle Aktivitäten in diesem Sinne. Zuhören ist nicht genug!

  4. Viele Wohnungslose wollen keine eigene Wohnung, da sie nicht bereit sind, nicht einsehen, Miete und Nebenkosten, Strom, GEZ etc. jeden Monat bezahlen zu müssen, wie alle anderen Menschen. Sie betreiben Sesselhopping, pennen auf Couches bei Kumpels fragwürdiger Herkunft… Mal drei Tage dort, mal zwei Tage hier und dort…. So geht das Jahre und Jahrzehnte lang. Sehr oft ist das ganze durchsetzt mit schwerem Drogenkonsum und Alkoholismus.

    Einige von denen sind sogar Vollzeit-Arbeitnehmer, oft auf dem Bau. Dort verlangen die Chefs nicht zwingend eine Kontoverbindung, solche Wohnungslosen werden bar ausbezahlt. Sie sind sogar krankenversichert und haben auch eine Krankenkassenkarte. Je hübscher bzw. je gutaussehender solch ein männlicher Wohnungsloser ist, je eher findet er regelmäßigen Unterschlupf bei alleinstehenden Frauen, oft Alleinerziehenden mit Kind/ern. Diese wohnungslosen Männer haben dann alles bei diesen Frauen: voll eingerichtete Wohnungen. Oft haben sie mehrere solcher Frauen am Start. Leider sind alle diese Frauen auch Konsumenten von Drogen, und wenn es nur das dumme Gekiffe ist….somit finden die immer zueinander, da sie zusammen kiffen wollen… Ich weiß das alles und beobachte das alles aus erster Hand seit Jahren. Bin vom Bau, habe aber alles. Bin nur stiller Beobachter….

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