Alltägliche Oster-Helden

In diesem Jahr feiert die Christenheit Ostern unter besonderen, bedrückenden Umständen. Corona – das Virus steht für Krankheit und Leid, Todesangst und Sterben, für die Sorge um kollabierende Gesundheitssysteme und Volkswirtschaften, für Einsamkeit und Überforderung, für Ausnahmezustand, Existenzangst und die Infragestellung von fast allem, was in unserem Land bis noch vor wenigen Wochen einfach „normal“ war: ein Glas Bier in einer Kneipe zu trinken, die Großeltern zu besuchen, zur Arbeit zu fahren oder sonntags in die Kirche zu gehen.

Mir gehen in diesen Tagen die Melodie und die ersten Zeilen des wunderbaren Osterlieds von Paul Gerhardt nicht aus dem Sinn: “Auf, auf, mein Herz, mit Freuden, nimm wahr, was heut geschicht; wie kommt nach großem Leiden nun ein so großes Licht!” Was für ein Kontrast zum gegenwärtig vorherrschenden düsteren Lebensgefühl.

“Auf, auf, mein Herz mit Freuden, nimm wahr, was heut geschicht; wie kommt nach großem Leiden nun ein so großes Licht.” (Paul Gerhardt) Bild: Evamaria Bohle

Gerade angesichts der Biografie von Paul Gerhardt berührt mich dieses Lied besonders. Wie konnte Gerhardt, dieser so leidgeprüfte Liederdichter der Barockzeit, so jubeln? Er schreibt diese Zeilen in schrecklichen Zeiten: 1647 ist der Dreißigjährige Krieg im 29. Jahr, also immer noch nicht zu Ende. Und trotzdem durchzieht sein altes Osterlied eine kecke und ansteckende Zuversicht:

“Die Welt ist mir ein Lachen mit ihrem großen Zorn, sie zürnt und kann nichts machen, all Arbeit ist verlorn. Die Trübsal trübt mir nicht mein Herz und Angesicht, das Unglück ist mein Glück, die Nacht mein Sonnenblick.

Ich hang und bleib auch hangen an Christus als sein Glied; wo mein Haupt ist gangen, da nimmt er mich auch mit. Er reißet durch den Tod, durch Welt, durch Sünd, durch Not, er reißet durch die Höll, ich bin stets sein Gesell.”

Kühner Geist

Was für ein Vertrauen weht da aus dem 17. Jahrhundert zu uns herüber! Es kann und will bewegen. Auch uns. Trotz allem Leid und aller Unzulänglichkeit, trotz fehlender Schutzkleidung und aller Unsicherheit verlässt es sich auf das Licht und die Zuversicht des Ostermorgens. Das leuchtet zuverlässig – auch in unseren Dunkelheiten.

Der Ostermorgen bescheint die ganze aus den Fugen geratene Welt mit diesem Licht. Jede einzelne, jeden einzelne und besonders die, die auch in diesen Tagen engagiert ihre Arbeit tun, und nicht zuhause bei ihren Lieben sein können; die Leidenden und die Sterbenden. Nichts ist vergeblich.

Danke teilen

So ähnlich habe ich es in dieser Karwoche in einem offenen Oster-Brief an alle Mitarbeitenden in der Diakonie geschrieben. (Gerne weiterleiten!) Viele arbeiten seit Wochen unter sehr unzulänglichen, oft unzumutbaren Umständen: im ambulanten Pflegedienst, im Krankenhaus, mit geflüchteten Menschen oder in der stationären Altenhilfe, in Einrichtungen der Behinderten- und Jugendhilfe, im Frauenhaus, im Kinderschutz oder anderen Einrichtungen, die man in diesen Tagen “systemrelevant” nennt.

Alles Osterheld*innen

Und sie alle leisten in diesen Tagen und Wochen Außergewöhnliches. Manche riskieren ihre eigene Gesundheit und gehen weit über ihre Leistungsgrenzen. Und: sie tun das nicht für sich, sondern für andere Menschen.

Sie tragen das Licht des Ostermorgens in unterschiedlichste Dunkelheiten. Und bezeugen mit ihrem engagierten Handeln, dass Gewalt und Tod, Unrecht, Hoffnungslosigkeit und Egoismen nicht das letzte Wort behalten. Wie soll man ihnen das danken? Applaus allein reicht nicht.

Applaus reicht nicht

Wir arbeiten in der Diakonie Deutschland engagiert dafür, dass die Zukunft der diakonischen Einrichtungen mit allen Arbeitsplätzen gesichert bleibt. Und wir versuchen wirklich alle Hebel in Bewegung zu setzen, damit Schutzmasken und Schutzkleidung gegen Ansteckung in ausreichender Zahl dahin kommen, wo sie gebraucht werden.

Und nicht zuletzt setzen wir uns mit großem Nachdruck dafür ein, dass außergewöhnliches Engagement auch durch eine außergewöhnliche finanzielle Anerkennung gewürdigt wird. Nein, Applaus reicht nicht, aber Geld allein wäre auch zu wenig. Wertschätzung hat sehr viele Facetten. Und “Danke!” zu sagen, ist sicher eine davon.

Wer sind Ihre Alltagsheldinnen und – helden? Sagen Sie “Danke” mit der elektronischen Grußkarte. Bild: Diakonie Deutschland

Dank den Alltagsheld*innen

Wenn Sie mögen, geben auch Sie Ihren persönlichen Dank mit Hilfe unserer  neuen Web-Seite weiter. Hier finden Sie eine elektronische Grußkarte: Sie sagt “Danke! Ihr Alltagshelden.” – und Sie können sie individuell ergänzen.

Dazu gibt es ein PDF-Format zum  Runterladen, Weitermailen oder Ausdrucken. Das Plakat können Sie in Ihr Fenster hängen, oder auf Ihrer Mülltonne befestigen als Gruß an die Müllmänner- und frauen oder direkt an der Supermarktkasse oder in der nahe gelegenen Pflegeeinrichtung vielleicht zusammen mit einem Osterblumenstrauß verschenken.

Unerhört!

Und wenn alles klappt wie geplant – man weiß ja nie – werden am Monatsende überall im Land auch wieder große violette Plakate zu entdecken sein: “Danke! Ihr Alltagshelden.”
Gerne fotografieren, vielleicht sogar zusammen mit Ihren persönlichen Helden, und dann über Social Media unter #zuhören teilen. Denn unser Dank will unter die Leute. Und er soll zu Ostern gerade die erreichen, ohne die dieses Land jetzt völlig anders aussähe!

Frohe Ostern

Ich grüße Sie herzlich mit dem ältesten Jubelruf am Ostermorgen, der Licht in alles Dunkel bringt:

“Der Herr ist auferstanden! Er ist wahrhaftig auferstanden. Halleluja!”

Bleiben Sie behütet!

3 Gedanken zu „Alltägliche Oster-Helden“

  1. Bitte setzen Sie sich für Lockerungsmaßnahmen in Altenheim ein! Meine Mutter ist 97 Jahre alt und darf auf Grund der Coronabeschränkungen zu keinem Spaziergang aus dem Haus! Das seit über 4 Wochen!! Sie sagt: ” Es ist schlimmer als es im Krieg war.”
    Das macht mich sehr traurig.
    Was kann ich machen?
    MfG Karin Balint

    1. Sehr geehrte Frau Balint, ich verstehe Ihren Schmerz und den Ihrer Mutter gut. Wir arbeiten daran, dass es bald andere Möglichkeiten des Umgangs geben kann. In der vergangenen Woche habe ich im Deutschlandfunk schon darauf aufmerksam gemacht, dass es der falsche Weg ist, die Freiheitsrechte “der Alten” dauerhaft einzuschränken. Aber wir brauchen, bevor wir an Lockerungen denken können, ausreichend Schutzkleidung- und masken sowie Desinfesktionsmittel, damit wir einaneren gefahrlos begegnen können. Bis dahin müssen wir kreativ werden und andere Wege finden, Nähe erlebbar zu machen. Bleiben Sie tapfer und behütet,
      Ihr Ulrich Lilie

      1. Als Pastorin freue ich mich, dass Sie sich dafür einsetzen, dass Seelsorgerinnen und Seelsorger wieder Besuche in Krankenhäusern, Alten- und Pflegeheimen machen können! Dass im Augenblick mehr Menschen in Baumärkte gehen dürfen als zu Beerdigungen, erlebe ich als menschenunwürdig. Seit dem 16. April warte ich auf veränderte Bestimmungen des Landes Niedersachsen und habe mich auch kirchenintern auf dem Dienstweg dafür eingesetzt, dass hier möglichst schnell eine Veränderung vollzogen wird, vergebens.
        Morgen werde ich nun wieder mit Angehörigen im allerkleinsten Kreis am Grab stehen. Auch für Trauerfeiern ist ein Abstands- und Hygienekonzept möglich.
        Ich bitte Sie um Unterstützung!

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