Die Vaterrolle im Wandel

Für ein Interview mit diakonie.de sprach ich mit einem jungen Vater über das Vater sein früher und heute. Ein sehr spannendes Gespräch.

Diakonie.de: Herr Spitzer, Ihre Tochter ist vier Monate alt. Haben Sie heute Nacht viel geschlafen?
Gregor Spitzer: Unsere Tochter ist nur einmal in der Nacht wach – also ein sehr entspanntes Kind.

Eine tolles Treffen – Gregor Spitzer mit seiner Tochter Lilia ©Anieke Becker
Eine tolles Treffen – Gregor Spitzer mit seiner Tochter Lilia ©Anieke Becker

Diakonie.de: Herr Lilie, Sie haben vier Kinder im Erwachsenenalter. Waren die Nächte auch entspannt?
Ulrich Lilie: Wir haben als erstes unsere Zwillinge bekommen. Zwei sind schon anstrengend und sie schliefen eben nicht so wunderbar durch, da war dreimal nachts Aufstehen normal. „Die Vaterrolle im Wandel“ weiterlesen

Das Leiden bedenken

„Herr, stärke mich, dein Leiden zu bedenken“, so beginnt ein bekanntes evangelisches Passionslied. Wir stehen am Beginn der Karwoche; wieder werden Menschen in vielen Formen und an vielen Orten das Leiden und das Sterben des Herrn der Kirche bedenken.

Seit dem Aschermittwoch fasten einige meiner Freundinnen und Freunde, andere haben sich ein inneres Ziel gesetzt, wollen sich mehr Zeit für sich, für andere oder ihren Glauben nehmen.

Mich berührt der leidende und sterbende Christus in der Passionszeit in jedem Jahr, weil sich Gott in ihm so berührbar zeigt: für das unsägliche Leid von Kindern, von Unschuldigen, von Frauen und von Männern mit einer abweichenden Überzeugung, die deswegen Verfolgung, Willkür und Terror erleiden müssen. Für das Leid der Alten und der Jungen unter uns, der Schwachgewordenen und der Enttäuschten, der Sterbenden und der Kranken. „Das Leiden bedenken“ weiterlesen

„Können Sie mir ein Bleiberecht besorgen?“

Amir lebt seit sechs Monaten in dieser besonderen Wohngemeinschaft mitten in Nürnberg. Nabil ist  seit gut einem Jahr hier. Die beiden anderen Jugendlichen sind fast zeitgleich vor eineinhalb Jahren eingezogen.

Eine Ehrenamtliche gibt einem Mädchen Nachhilfe © Kathrin Harms & Esteve Franquesa © Kathrin Harms & Esteve Franquesa
Eine Ehrenamtliche gibt einem Mädchen Nachhilfe © Kathrin Harms & Esteve Franquesa

Amir ist siebzehn Jahre alt und hat eine fünfmonatige Irrfahrt hinter sich. Er ist der Einzige aus seiner Familie, dem die Flucht aus Syrien gelungen ist. „Es war schrecklich,“  sagt er. Von seiner Familie hat er seit Monaten keine Nachricht. Er möchte über seine Erfahrungen nicht weiter sprechen. „„Können Sie mir ein Bleiberecht besorgen?““ weiterlesen

„Was soll ich werden?“

Jetzt machen sie sich wieder schön in Köln, in Düsseldorf, in Bonn oder in Münster; für die tollen Tage. „Was soll ich werden?“, lautet dabei die entscheidende Frage. Mona Lisa mit Rahmen, aber mit meinem Kopf? Marilyn Monroe? Oder gehe ich doch wieder als Hippie?

Wir werden sie sehen. Und sicher werden sich die Jecken mit ihren Kostümen wieder alle Mühe geben.

Was für die tollen Tage ein lustiges Vexierspiel ist, wird im realen Leben für viele zu bitterem Ernst.

Viele junge Mädchen wissen nicht wirklich, was sie werden wollen: Sollen sie so bleiben, wie sie sind, oder werden, wie es ihnen in den Modelshows vorgegeben wird? Sie sind wegen diagnostizierter Magersucht in psychotherapeutischer und ärztlicher Behandlung. „„Was soll ich werden?““ weiterlesen

Zu Besuch bei unseren Nachbarn

“Ich glaube, dass Gott auf aufrichtige Gebete und verantwortliche Taten wartet und antwortet”. – so lautet eine der vielen schönen Zeilen aus dem sogenannten Glaubensbekenntnis von Dietrich Bonhoeffer, der von den nationalsozialistischen Gewaltherrschern umgebracht wurde.

Im Gespräch mit Wanda Falk, Klaus-Dieter Kottnik
Im Gespräch mit Wanda Falk, Klaus-Dieter Kottnik

Einen Tag nach dem siebzigsten Jahrestag der Befreiung der Überlebenden im Vernichtungslager Ausschwitz durch russische Soldaten habe ich die Evangelische Kirche und die Diakonie in Polen besucht. „Zu Besuch bei unseren Nachbarn“ weiterlesen

„Was für ein furchtbares, blutiges Bild!“ – „Issn schönes Bild und auch realistisch!“

Gestern Abend habe ich mir den Tatort angesehen. Unfreiwillig bin ich zum Zeugen einer Enthauptung geworden, Blut und Grausamkeit in einer nicht vorstellbaren Form zur besten Sendezeit am Sonntagabend. Brutalität, die bei der Thematik Sucht nicht angemessen und notwendig war – aber offenbar  Quote bringt!

Patricia Meckenstock ist als Hebamme dabei.
Patricia Meckenstock ist als Hebamme dabei.

Florence-Nightingale Krankenhaus in Düsseldorf ­– Die Hebamme Patricia Meckenstock legt den gerade geborenen Säugling mit noch blutigem Köpfchen in die Hände der erschöpften und glücklichen  Mutter. Ihr kullert eine Träne der Freude die Wange herunter. Diese sehr intime und anrührende Szene wurde von unserem Fotografen Darius Ramazani für die neue Diakonie Kampagne „In der nächsten Nähe“ eingefangen. Der Spruch auf dem großformatigen Plakat lautet:

„Mein Beruf ist, Wundern auf die Welt zu helfen“.

Die Kampagne stellt das Engagement unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Vordergrund, die jeden Tag alles geben. „„Was für ein furchtbares, blutiges Bild!“ – „Issn schönes Bild und auch realistisch!““ weiterlesen

„Warum werden Menschen, die hier leben, arbeiten, lieben, spielen, lernen, lachen, wohnen, als ‘Fremde’ bezeichnet?“

Diese Frage stellt die Berliner Journalistin Heike Kleffner in großen schwarzen Buchstaben auf weißem Grund öffentlich auf großen Werbeplakatflächen, die in Berlin entlang von Wegstrecken wie S-Bahnhaltestellen und an anderen prominenten Orten hängen. Die Idee zu dieser bemerkenswert aktuellen Kunstaktion im öffentlichen Raum stammt von der Künstlerin Beate Maria Wörz, die diese bundesweite Plakatkampagne nach mehrmaligen Besuchen im NSU-Untersuchungsausschuss entwickelt hat.

Parallel zum NSU-Prozess läuft eine Plakataktion zu Fragen, die die Menschen zum Prozess und seinen Folgen stellen
Parallel zum NSU-Prozess läuft eine Plakataktion zu Fragen, die die Menschen zum Prozess und seinen Folgen stellen

Sie fragt Menschen nach den Fragen, die sie sich im Zusammenhang mit den NSU-Morden stellen. Die Fragen dieser Frauen und Männer plakatiert sie im kommenden Jahr je zehn Tage lang in zwanzig Städten unserer Republik.

„Warum werden Menschen, die hier leben, arbeiten, lieben, spielen, lernen, lachen, wohnen, als ‚Fremde‘ bezeichnet?“ „„Warum werden Menschen, die hier leben, arbeiten, lieben, spielen, lernen, lachen, wohnen, als ‘Fremde’ bezeichnet?““ weiterlesen

Weihnachten 2014: Auf der Suche nach einer Bleibe

In diesen Tagen der Vorbereitung auf das Weihnachtsfest möchte ich an diese Menschen unter uns erinnern: die fliehen müssen, weil sie schrecklicher Gewalt ausgesetzt sind. Über 50 Millionen Menschen sind momentan weltweit auf der Flucht – so viele wie seit dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr. Ungefähr die Hälfte von ihnen sind Kinder und Jugendliche. Ihre Not fragt uns an.

Ein Ort, an dem sie aufgenommen werden, ist das Wohnheim Zeughofstr. des Diakonischen Werkes Berlin-Stadtmitte. Geleitet wird es von Christa Gunsenheimer. Welchen passenderen Platz kann es geben, um die Weihnachtsgeschichte lebendig werden zu lassen.

Rentenpolitik mit Weitblick – Altersarmut abwenden

Mit einem eindrucksvollen Festakt ist in der vergangenen Woche in Berlin an die Entstehung der gesetzlichen Rentenversicherung vor 125 Jahren erinnert worden. Zu Recht, denn mit der Gesetzlichen Rentenversicherung (GRV) begann am 24. Mai 1889 eine neue Epoche deutscher Sozialpolitik. Zum ersten Mal wurde Altersarmut in Deutschland durch ein Versicherungsmodell gemildert.

Jeder hat ein Recht auf ein auskömmliches Leben in Würde.
Jeder hat ein Recht auf ein auskömmliches Leben in Würde.

1957 wurde die Rentenversicherung neu ausgerichtet, als der Bundestag mit breiter politischer Mehrheit beschloss: Die Rente soll künftig nicht nur Zuschuss zum Lebensunterhalt, sondern Lohnersatz sein. Wer in seiner Erwerbstätigkeit ein höheres Einkommen erzielt, zahlt mehr in die gesetzliche Rentenversicherung ein und erhält später auch eine höhere Rente. „Rentenpolitik mit Weitblick – Altersarmut abwenden“ weiterlesen

Satt ist nicht genug – unterwegs mit dem Hamburger Mitternachtsbus

Satt ist nicht genug – so lautet das Motto der diesjährigen 56. Aktion von Brot für die Welt. Über 800 Millionen Menschen auf dieser Erde hungern. Zwei Milliarden Menschen sind mangelernährt – oft mit fatalen Folgen für ihre körperliche und geistige Entwicklung.

Streetworkerin Katarzyna Cygan im Hamburger Mitternachtsbus
Streetworkerin Katarzyna Cygan im Hamburger Mitternachtsbus

Satt ist nicht genug – das wäre auch eine zutreffende Beschreibung für das Mangelleben, das zigtausende Menschen in unserer reichen Gesellschaft im Wortsinn auf der Straße leben. Selbst mit meinem warmen Mantel, einem trockenen Pullover und einer Mütze auf dem Kopf friere ich auf meinem Fußweg zum Heidekampsweg in Hamburg. Hier herrscht heute Abend typisches Hamburger Schmuddelwetter: Nieselregen bei Temperaturen um den Nullpunkt macht das Leben auf der Straße selbst mit guter Ausstattung zu einer echten Herausforderung. „Satt ist nicht genug – unterwegs mit dem Hamburger Mitternachtsbus“ weiterlesen