Unerhört in Herten

Zuhören: Gespräch im Tagesaufenthalt für Wohnungslose der Diakonie in Herten.                                 © Diakonie Recklinghausen

Als „klammste Kommune Deutschlands“ hat das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ jüngst die Stadt Herten im Kreis Recklinghausen bezeichnet: Der ehemaligen Bergbaustadt im nördlichen Ruhrgebiet sieht man an, dass der Strukturwandel nicht geschafft ist.
An der Durchgangsstraße Spielhallen und Billigläden, und an der Ecke ein ehemaliger Hochbunker. Hinter dessen dicken Mauern arbeitet nun auf mehreren Etagen die Diakonie. Herten – genau der richtige Ort, um unsere Veranstaltungsreihe zur Diakonie-Kampagne zu starten: die „Unerhört“-Foren.
„Unerhört in Herten“ weiterlesen

Unerhört! Dieses Gedicht!

Die U-Bahn Station Hellersdorf im Berliner Stadtteil Marzahn ist von einem kleinen Park umgeben: ein Angstraum, vor allem nachts oder in der Dämmerung morgens und abends.

Sieht tagsüber friedlich aus – die U-Bahnstation in Hellersdorf © A. Savin, Wikimedia Commons via

Nicht nur Kinder und Frauen nehmen dann lieber einen weiten Umweg über die beleuchteten Straßen in Kauf. Zu gefährlich sei diese Grünanlage, so Bundestagsvizepräsidentin Petra Pau (Die Linke) kürzlich bei einem gemeinsamen Spaziergang durch ihren Wahlkreis Marzahn-Hellersdorf. Menschen aus 128 Nationen leben hier, berichtet sie. Ein Großteil von ihnen beziehe Hartz IV Leistungen. Die eher schlichten Wohnungen gelten als billig, seien aber häufig in einem sehr schlechten Zustand. „Unerhört! Dieses Gedicht!“ weiterlesen

Bitte zuhören!

„Die hören uns nicht zu.“ Dieser enttäuschte Satz über die Eliten in unserem Land spiegelt eine Erfahrung, in der sich viele Menschen wiederzufinden scheinen. Die, die nicht zuhören, das sind dann auch Menschen wie ich. „Business-Uniformierte“ in Anzug und Krawatte werden von den einen als zu gut verdienende Vertreter eines abgehobenen Establishments wahrgenommen – weit weg von den alltäglichen Sorgen im wirklichen Leben in Völklingen, Eisenhüttenstadt oder Nürnberg.

Drei Menschen unterhalten sich. Eine Frau steht im Hintergrund und lächelt.
Einfach zuhören – in der vergangenen Woche war ich beim 12. Treffen der Menschen mit Armutserfahrung zu Gast ©Diakonie/Ulrike Pape

Treffen mich solche Vorwürfe? Nein. Dafür sind sie schlicht zu pauschal, fast populistisch. Doch das ist nur die halbe Wahrheit: Sie treffen trotzdem. „Bitte zuhören!“ weiterlesen

Die Armutsspirale durchbrechen

Auf meinen Reisen begegne ich oft Menschen, die Probleme als Herausforderung ansehen, über ihren Bereich hinausdenken und die Grundhaltung haben, gemeinsam schaffen wir das: Heike Binne ist so eine Anpackerin. Ich habe sie gestern kennengelernt: Sie ist Quartiersmanagerin in Bremen Lüssum und betreut unter anderem das „Haus der Zukunft“. Der Stadtteil gilt als sogenannter Problembezirk, fast jedes 3. Kind lebt in Armut. Viele dieser Kinder kommen aus Familien mit Eltern im Hartz-IV Bezug und haben kaum Perspektiven.

Hausaufgabenbetreuung nach dem Mittagessen in der Egestorffgrundschule © Anieke Becker
Hausaufgabenbetreuung nach dem Mittagessen in der Egestorffgrundschule © Anieke Becker

Aber was man schafft, wenn man Kooperationen eingeht, Hilfe leistet und auch welche annimmt, kann man hier wunderbar sehen. Im „Haus der Zukunft“ arbeiten Stadt, Kirche, freie Träger, viele Vereine und die Diakonie Bremen eng mit den Bürgerinnen und Bürgern zusammen. Daraus ist ein menschenfreundlicher und ausstrahlender Ort entstanden mit einer Kindertagesstätte, Sportangeboten, Sprach- und Musikkursen. „Die Armutsspirale durchbrechen“ weiterlesen

Migrantenmedizin in Hamburg – Hilfe für Menschen ohne Krankenversicherung

“Westend – hoffnungsorte hamburg” bietet seit 2011 eine kostenlose Sprechstunde für Menschen ohne Krankenversicherung an – die Migrantenmedizin. Jeden Dienstag werden in Wilhelmsburg rund 20 Besucher von der sehr engagierten Leiterin Melanie Mücher und ihrem tollen Team aus Ärzten, Dolmetschern und Helfern kostenlos beraten und behandelt – ein wahrer Hoffnungsort. Die meisten dieser Menschen kommen aus Bulgarien und Rumänien.

Viele Migrantinnen und Migranten aus Osteuropa leben unter sehr prekären Bedingungen. „Migrantenmedizin in Hamburg – Hilfe für Menschen ohne Krankenversicherung“ weiterlesen

ALLEN Kindern eine Zukunft geben

Ich bin glücklicher Vater von vier Kindern. Unsere drei Ältesten studieren, unsere Jüngste besucht ein Berliner Gymnasium. Meine Frau und ich sind froh, dass wir ihnen eine hoffentlich weitgehend glückliche Kindheit und eine gute Ausbildung finanzieren können.

Am 1. Juni ist der Internationale Kindertag, der richtige Tag daran zu erinnern, wie viele Kinder in Deutschland keine schöne Kindheit haben.

Viel zu viele Kinder erleben in unserem reichen Land tagtäglich was es heißt, kein Geld zu haben: für den Schulausflug, für ein Familienauto oder eine Woche Urlaub, für eine neue, passende Sommerhose. Sie können ihre Freunde nicht nach Hause einladen, weil das Geld nicht reicht für einen zusätzlichen Esser. Kino, Theater, Konzert oder ein Restaurant-Besuch sind für sie gar nicht drin. Sie haben keinen Computer, sind nicht Mitglied in einem Sportverein oder können kein Instrument erlernen. „ALLEN Kindern eine Zukunft geben“ weiterlesen

Rentenpolitik mit Weitblick – Altersarmut abwenden

Mit einem eindrucksvollen Festakt ist in der vergangenen Woche in Berlin an die Entstehung der gesetzlichen Rentenversicherung vor 125 Jahren erinnert worden. Zu Recht, denn mit der Gesetzlichen Rentenversicherung (GRV) begann am 24. Mai 1889 eine neue Epoche deutscher Sozialpolitik. Zum ersten Mal wurde Altersarmut in Deutschland durch ein Versicherungsmodell gemildert.

Jeder hat ein Recht auf ein auskömmliches Leben in Würde.
Jeder hat ein Recht auf ein auskömmliches Leben in Würde.

1957 wurde die Rentenversicherung neu ausgerichtet, als der Bundestag mit breiter politischer Mehrheit beschloss: Die Rente soll künftig nicht nur Zuschuss zum Lebensunterhalt, sondern Lohnersatz sein. Wer in seiner Erwerbstätigkeit ein höheres Einkommen erzielt, zahlt mehr in die gesetzliche Rentenversicherung ein und erhält später auch eine höhere Rente. „Rentenpolitik mit Weitblick – Altersarmut abwenden“ weiterlesen

Satt ist nicht genug – unterwegs mit dem Hamburger Mitternachtsbus

Satt ist nicht genug – so lautet das Motto der diesjährigen 56. Aktion von Brot für die Welt. Über 800 Millionen Menschen auf dieser Erde hungern. Zwei Milliarden Menschen sind mangelernährt – oft mit fatalen Folgen für ihre körperliche und geistige Entwicklung.

Streetworkerin Katarzyna Cygan im Hamburger Mitternachtsbus
Streetworkerin Katarzyna Cygan im Hamburger Mitternachtsbus

Satt ist nicht genug – das wäre auch eine zutreffende Beschreibung für das Mangelleben, das zigtausende Menschen in unserer reichen Gesellschaft im Wortsinn auf der Straße leben. Selbst mit meinem warmen Mantel, einem trockenen Pullover und einer Mütze auf dem Kopf friere ich auf meinem Fußweg zum Heidekampsweg in Hamburg. Hier herrscht heute Abend typisches Hamburger Schmuddelwetter: Nieselregen bei Temperaturen um den Nullpunkt macht das Leben auf der Straße selbst mit guter Ausstattung zu einer echten Herausforderung. „Satt ist nicht genug – unterwegs mit dem Hamburger Mitternachtsbus“ weiterlesen

Soziale Arbeit mit Helm?

In diesen Tagen habe ich die vielfältige Arbeit der Diakonie in Mecklenburg-Vorpommern in Begleitung von Landespastor Martin Scriba kennengelernt. Wieder bin ich vielen beeindruckenden und hoch engagierten Menschen begegnet, die unter teilweise schwierigsten Finanzierungsbedingungen eine unverzichtbare Arbeit leisten.

Jugendliche tüfteln im Maritimen Zentrum Frankenvorstadt an Modellbooten © Anieke Becker
Jugendliche tüfteln im Maritimen Zentrum Frankenvorstadt an Modellbooten © Anieke Becker

Im “Maritimen Zentrum Frankenvorstadt Stralsund” finden besonders benachteiligte und schwer vermittelbare Jugendliche in dem Stadtteil, in dem sie leben Gehör, Beratung, Förderung und Ermutigung. Und nicht zuletzt finden sie Wege zu einer qualifizierten Beschäftigung. Ein Schreiner, der mit großem Herz und bemerkenswertem Engagement in seiner Freizeit neue attraktive Holzarbeiten für diese jungen Frauen und Männer austüftelt, gehört zu diesem Team. „Soziale Arbeit mit Helm?“ weiterlesen

13 Millionen alte, alleinerziehende und junge Menschen dürfen uns nicht einfach egal sein!

In seiner Berliner Rede am 24.03.2009 hat der ehemalige Bundespräsident Horst Köhler bemerkenswerte Sätze zur Glaubwürdigkeit der Freiheit formuliert: “Die Glaubwürdigkeit der Freiheit ist messbar: in unserer Fähigkeit, Chancen zu teilen. Nach innen und nach außen. Und in unserer Bereitschaft zur Verantwortung für den Nächsten und das Wohl des Ganzen. Wenn wir das schaffen, dann holen wir das Beste aus uns heraus, was in uns steckt.”

Diese Worte haben im Blick auf die Armuts – und die Reichtumsentwicklung in unserem Land die Kraft einer Scheidemünze. Trotz verbesserter Zahlen auf dem Arbeitsmarkt in Deutschland bleibt die alltägliche Wirklichkeit für viel zu viele Menschen trist: sie sind mitten in einer reichen Gesellschaft von Armut bedroht oder leben jeden Tag in sogenannter “relativer” Armut. „13 Millionen alte, alleinerziehende und junge Menschen dürfen uns nicht einfach egal sein!“ weiterlesen