Weite Wege

Noch ist eine verbindliche Frauenquote von mindestens 50 Prozent in den Entscheidungsgremien des Evangelischen Werkes für Diakonie und Entwicklung (EWDE) Zukunftsmusik, aber sie ist auf dem Weg. Das Ziel der Gleichstellung der Geschlechter in der Diakonie Deutschland, ihren Fachverbänden, Trägern und Einrichtungen hat die „Konferenz für Diakonie und Entwicklung“ (KDE) im vergangenen Jahr formuliert. Eine entsprechende „Verbandsempfehlung“ liegt vor. – Ja, wir haben noch einen weiten Weg zu gehen. „Weite Wege“ weiterlesen

175 Jahre Ambivalenz

Die Diakonie hat allen Anlass, ihr 175-jähriges Bestehen zu feiern. Großartiges ist in dieser Zeit gewachsen, wurde von beeindruckenden Menschen #ausLiebe gesät, auch heute. Doch zum ehrlichen Rückblick gehört auch: Es gab auch Versagen, es gab Versäumnis. Es gab Gewalt unter den Dächern unserer Häuser. „175 Jahre Ambivalenz“ weiterlesen

Besser scheitern

Mit dem Aschermittwoch hat die Passionszeit begonnen. Je länger, je mehr ist mir die Zeitrechnung des Kirchenjahres ans Herz gewachsen. Sie schiebt sich zwischen und über all die Termine, trotzt allen Krisen und zieht eine andere, verlässliche Dimension in meinen Alltag.

Zwischen die Vielfalt der Themen, mit denen wir uns zu beschäftigen haben, zwischen die geplanten und ungeplanten Begegnungen mit den unterschiedlichsten Menschen und ihren Anliegen, verlässt sich etwas in mir darauf, dass es eine andere Tagesordnung gibt, die wir nicht machen, die termin- und themenunabhängig ist. Die trägt. „Das Reich Gottes ist mitten unter euch“, sagt Jesus Christus. Der Rhythmus des Kirchenjahres erinnert daran. „Besser scheitern“ weiterlesen

Unser Krieg

„Dies ist nicht unser Krieg!“ Dieses Graffito – Absender unbekannt – taucht seit einiger Zeit im Berliner Stadtbild an den unterschiedlichsten Orten auf. Es trifft, es triggert die Sehnsucht nach Frieden, es transportiert berechtigte Sorgen um unkontrollierbare Eskalation. Und doch: Es trifft daneben. Denn dieser von Putin begonnene schreckliche Krieg ist – ob wir es wollen oder nicht – auch „unser“ Krieg. „Unser Krieg“ weiterlesen

Erinnern

Ballastexistenz. Ein widerlicher Propagandabegriff für Menschen mit geistiger Behinderung, den der Freiburger Psychiater Alfred Hoche und der Leipziger Jurist Karl Binding 1920 in die damalige gesellschaftliche Debatte um die „Euthanasie“ einbrachten. Zwanzig Jahre bevor Adolf Hitler mit einer Notiz die gnadenlose Maschinerie der Patientenmorde im NS-Staat in Gang setzte, plädierten die beiden nicht aus „rassenhygienischen“, sondern vor allem aus ökonomischen Gründen für die aktive Tötung schwer geistig behinderter Menschen. „Erinnern“ weiterlesen

Lob der Mehrdeutigkeit

Gutes Essen für alle. Wer wollte dagegen sein? Morgen demonstriert in Berlin ein breites gesellschaftliches Bündnis für eine nachhaltige Landwirtschaft, für gesunde, bezahlbare Nahrungsmittel, für die so dringend notwendige sozial-ökologische Transformation, die alle Lebensbereiche erfassen muss.

In diesem Jahr gehört Diakonie Deutschland erstmals zu den offiziellen Unterstützer:innen der Großdemonstration „Wir haben es satt“, die seit 2001 den Auftakt der weltgrößten Agrarmesse „Grüne Woche“ kritisch begleitet. Auch so geht „Diakonie mit anderen“. „Lob der Mehrdeutigkeit“ weiterlesen

Gegen sexualisierte Gewalt

„Jeder Tag zählt.“ Dieser kurze Satz von Julia Sander, Mitglied des Betroffenenbeirates der Diözese Freiburg, geht mir nach. Im Deutschlandfunk hat sie in dieser Woche aus ihrem Leben erzählt: Von Gewalt in ihrer Kindheit, vom Missbrauch durch einen allseits beliebten, sehr nahbaren Priester, dem sie vertraute, von Menschen im Umfeld, die „es“ nicht wissen wollten, von ihrem langen Überlebensweg, vom anhaltenden zähen Kampf mit den Institutionen der Kirche. Davon wie wichtig es für sie war, als Opfer anerkannt zu werden, und wie zermürbend es für Betroffene ist, darauf warten zu müssen, dass endlich die Wahrheit gesagt wird. „Gegen sexualisierte Gewalt“ weiterlesen

Logik der Wehrlosigkeit

Stall, Krippe, Engelschöre und ein neugeborenes Kind. So kommt Gott zur Welt. So schutz- und so liebebedürftig. So beginnt seine Friedensherrschaft. Wehrlos. Was für eine Geschichte tischt uns hartgesottenen Nachrichtensehern das Lukasevangelium auf! Gott wird Mensch und beginnt eine neue verwegene Gegenerzählung zu den gewohnten Bildern und Logiken der Macht, die das menschliche Miteinander zu oft vergiften und Leben immer wieder zerstören. „Logik der Wehrlosigkeit“ weiterlesen

Was für ein Jahr …

Zweifellos haben der Angriffskrieg auf die Ukraine und seine Folgen dem vergangenen Jahr ihren hässlichen Stempel aufgedrückt. Hunderttausendfacher Tod vor unserer Haustür, barbarische Zerstörung, Flucht, Energiekrise, Inflation sind seit dem 24. Februar die Treiber der Politik und prägen auch einen großen Teil der anwaltschaftlichen Arbeit in der Diakonie. „Was für ein Jahr …“ weiterlesen

Für die junge Generation

Unerhört! Diese Jugendlichen! Erinnern Sie sich an diesen Slogan aus der Unerhört-Kampagne der Diakonie?  Über Jahre haben wir auf Plakatwänden, im Internet, aber auch auf Veranstaltungen, mit dieser Kampagne fürs Zuhören geworben, dafür, dass der erste Schritt auf dem Weg zu einem Miteinander in einer Gesellschaft der Vielfältigen ist, miteinander zu sprechen, einander zuzuhören. Dass es besonders darum gehen muss, den Unerhörten Teilhabe zu ermöglichen. Denen, deren Stimmen überhört werden. Also auch den Stimmen und Meinungen der jungen Generation. „Für die junge Generation“ weiterlesen