Die Relevanz der Nächstenliebe

„Ist Nächstenliebe 2030 noch relevant? Impulse für eine strategische Vision zur Zukunft von Kirche und Diakonie.“ So ist eine Diskussion überschrieben, an der ich Anfang Februar in Heidelberg teilnehmen werde. Das Diakoniewissenschaftliche Institut lädt gemeinsam mit dem Sozialwissenschaftlichen Institut der EKD sowie den Landesverbänden Baden und Württemberg zu einer Fachtagung und einer Zukunftswerkstatt ein.

Nächstenliebe: Eine Frau umarmt einen älteren Mann
Nächstenliebe: Sie verwirklicht sich im diakonischen Handeln, sowie hier in der ambulanten Pflege ©Annette Schrader

Das Thema ist mir seit meinen ersten Berufsjahren ein Anliegen. Ich bin damals bewusst in ein Krankenhaus und nicht in eine Gemeinde gegangen, weil ich überzeugt bin, dass das Evangelium seinen Glanz entfaltet, wenn es auf die Breite der gesellschaftlichen Wirklichkeit trifft und nicht nur auf bestimmte Milieus. „Die Relevanz der Nächstenliebe“ weiterlesen

Wie Engel singen

„Hellhörig werden“, so habe ich in diesem Jahr meine Gedanken zum Weihnachtsfest überschrieben. Dazu gibt‘s einen kleinen Film – über die Stille im Lärm der Stadt, das Staunen im Großstadtgetriebe und einen Spaziergang vom Sitz der Diakonie Deutschland an der Caroline-Michaelis-Straße zur Krippe: „Wie Engel singen“ weiterlesen

Bitte Lesen: Die Gesellschaft der Singularitäten

„Wohin wir auch schauen in der Gesellschaft der Gegenwart: Was immer mehr erwartet wird, ist nicht das Allgemeine, sondern das Besondere. Nicht an das Standardisierte und Regulierte heften sich die Hoffnungen, das Interesse und die Anstrengungen von Institutionen und Individuen, sondern an das Einzigartige, das Singuläre“, so beginnt der Kultursoziologe Andreas Reckwitz sein neues, jetzt schon preisgekröntes Buch zum Strukturwandel in der Moderne. Titel: „Die Gesellschaft der Singularitäten“.

Menschenmenge
Menschenmengen auf einem Weihnachtsmarkt – durch sein Buch ermöglicht Reckwitz‘ den Lesern, in dem gesellschaftlichen „Wimmelbild“, in dem wir uns bewegen, eine Struktur zu entdecken. ©yuuka1 CC 2.0 via

Ich lese es gerade und bin fasziniert von dieser klugen soziologischen Analyse, die mir hilft, manche Verwerfung in unserer Gesellschaft besser zu verstehen: Phänomene wie Pegida oder Castingshows, Barcelona-Hype und Prenzlauerberg-Chic, Entsolidarisierung oder Aggressivität in den Sozialen Medien gewinnen einen Zusammenhang. „Bitte Lesen: Die Gesellschaft der Singularitäten“ weiterlesen

Cha-Cha-Cha, Kirchenjahr

In der kommenden Woche bin ich zu einem Neujahrsempfang nach Hannover eingeladen. Am 7. Dezember. Der Termin liest sich ein wenig schräg im Kalender. Mein Blick bleibt jedenfalls immer wieder irritiert an dem Eintrag hängen: Neujahr, Anfang Dezember?

Silvester, Feuerwerk
Das alte Kirchenjahr ist fast vorbei ©Pierre Wolf CC 2.0 via

Da passt doch was nicht. Vermutlich möchte Diakovere, das große diakonische Unternehmen in der Leine-Stadt, mit dieser Einladung genau das bei seinen Gästen erreichen: eine kleine Irritation, die einen kurz aus dem üblichen Takt bringt. Einen Stolperschritt lang tanzt eine andere Zeitrechnung durch den stark säkularisierten Kalender: Cha-Cha-Cha, Kirchenjahr. Neujahr ist Anfang Dezember. „Cha-Cha-Cha, Kirchenjahr“ weiterlesen

Reformation sozial – ein europäisches Projekt

Auch in Polen wird in diesem Jahr das Jubiläum zur Reformation gefeiert. Die polnischen Protestanten sind zwar eine Minderheit in unserem mehrheitlich römisch-katholischen Nachbarland, aber heute beginnen in Warschau die zentralen Feierlichkeiten unter der Überschrift „Gott – Freiheit – Welt“.

Schlüsselanhänger mit dem Motiv von Martin Luther zur Reformation
Schlüsselanhänger mit dem Motiv von Martin Luther zur Reformation (© Jan Byrt)

Das Programm ist weitgefächert: eine wissenschaftliche Fachtagung, Konzerte, Ausstellungen, Workshops, ein Jugendprogramm, ein Empfang beim Botschafter der Bundesrepublik und natürlich Festgottesdienste. Ich werde Samstag dabei sein können und freue mich auf die Horizonterweiterung. „Reformation sozial – ein europäisches Projekt“ weiterlesen

Gemeinsam – Caritas und Diakonie

Kurzer Blick in meinen Terminkalender: Morgen fahren Prälat Dr. Peter Neher, Vorstandsvorsitzender der Caritas, und ich gemeinsam nach Bielefeld und besuchen die von Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel. Es ist eine Premiere, dass wir Präsidenten zusammen eine solche Einrichtung besuchen.

Zwei Männer geben sich die Hände. Ein Mann steht daneben und lächelt
Caritas und Diakonie arbeiten zusammen: Wie hier bei der Tafel der Vielfalt zum Tag des Flüchtlings 2016, die ich mit Caritas Präsident Peter Neher ausrichten durfte. ©Hermann Bredehorst

Es soll eine lose Reihe werden: „Ökumenische Visite“ heißt das neue Format, in dem wir zukünftig ein- bis zweimal im Jahr gemeinsam je eine Einrichtung der Caritas und der Diakonie besuchen wollen. Das Ziel: voneinander zu lernen und auch, von der „Außenperspektive“ des anderen zu profitieren. „Gemeinsam – Caritas und Diakonie“ weiterlesen

Gottes Geist und Tafeln für die Vielfalt

Pfingsten ist mir in diesem Jahr ein göttlicher Reminder daran, dass tiefe Veränderungen, die eine Gesellschaft vollkommen auf den Kopf stellen können, mitunter sehr unauffällig und wenig beachtet beginnen: die ungeplante Schwangerschaft eines Mädchens, die Geburt eines Kindes.

Markttreiben in London – eine ähnliche Szene beschreibt Lukas in der Apostelgeschichte. © Hammersmith & Fulham Council unter CC 2.0 via

Oder eine aufgeregte Menschenmenge auf einem Platz in einer Mittelstadt einer römischen Provinz im ersten nachchristlichen Jahrhundert: Apostelgeschichte 2. Pfingsten, der Geburtstag der Kirche. – Ja, und viel mehr als das! „Gottes Geist und Tafeln für die Vielfalt“ weiterlesen

Berlin – Wittenberg und weiter!

Tag eins nach dem Kirchentag in Berlin und Wittenberg. In meiner Position heißt Kirchentag vor allem viele Gespräche vor Publikum, also Teilnahme an verschiedenen Podien, auf denen die vielfältigen Themen der Diakonie verhandelt werden: Beispielsweise zu Pflege, Integration und offener Gesellschaft, Zukunft des ländlichen Raumes oder Armutsbekämpfung. Spannend ein Streitgespräch mit dem Humanistischen Verband zum Thema Grenzen der Toleranz.

Dazu kommen Besuche von anderen Organisationen – etwa auf dem Markt der Möglichkeiten – und dann abends die diversen Empfänge, die politische Parteien aus Anlass des Kirchentages veranstalten. Sie ermöglichen unkompliziert Begegnungen mit Menschen, die an wichtigen politischen Entscheidungsprozessen in unserem Land beteiligt sind. Das ist eine Chance, die wir wahrnehmen. „Berlin – Wittenberg und weiter!“ weiterlesen

Bürgerdiakonie, Sekt und Reformationsjubiläum

Heute gibt’s gleich zwei Themen in meinem Blog: Die Bürgerdiakonie und das Reformationsjubiläum. Passt nicht zusammen? Trotzdem beschäftigt mich beides. Also: „Bürgerdiakonie“ ist ein Begriff, den ich neuerdings gerne benutze. Leider habe ich ihn nicht erfunden, sondern mein Vorstandskollege in der Diakonie, Dr. Jörg Kruttschnitt.

In New York haben wir viele tolle Initiativen besucht – wie das Arab American Family Center

Ich hatte ihm von meinen Eindrücken von der Diakonie-Studienreise nach New York Anfang Mai erzählt. „Bürgerdiakonie, Sekt und Reformationsjubiläum“ weiterlesen

Der Tag der Tischgemeinschaft

Geben Sie doch mal bei Google Bildersuche „Letztes Abendmahl“ ein. Habe ich grade getan, einen Screenshot (der rechtefreien Bilder) finden Sie gleich hier. Trotz des Filters bleiben immer noch sehr viele Treffer.

Diese wohl berühmteste Tischgemeinschaft in der europäischen Kunstgeschichte gibt es in unzähligen Varianten, die sich sehr ähneln: Ein langgestreckter Tisch, um ihn versammelt 13 Männer, Jesus in ihrer Mitte. Meist kann man an Gestik oder Mimik Judas, den Verräter, ausmachen. Oft wirkt die Szene insgesamt erstaunlich emotional. Mitunter sind den Jüngern auch Symbole zugedacht, damit der kundige Betrachter weiß, um wen es sich handelt. „Der Tag der Tischgemeinschaft“ weiterlesen