Europas Unbarmherzigkeit

Europa ist krank. Die Staatengemeinschaft, in der in feierlichen Momenten gerne Beethovens “Ode an die Freude” erklingt (“Alle Menschen werden Brüder” (m/w/d)), ist aktuell ein Schatten ihrer selbst. Die Brände in Moria, die verheerenden Zustände auf den griechischen Inseln, das andauernde schreckliche Geschacher um die Evakuierung der Lager und die Verteilung verzweifelter Menschen sind Symptome dieser Krankheit. „Europas Unbarmherzigkeit“ weiterlesen

„Jede Unterstützung wird benötigt und ist hilfreich“ – ein Brief aus Moria

Moria brennt. 13.000 Menschen sind nun ohne Obdach, viele am Rande ihrer Kräfte. Eine unvorstellbare – und doch so oft vorhergesagte Katastrophe. Mitten aus diesem Inferno hat mich der Brief einer jungen Frau erreicht. Sie beschreibt die Lage als insgesamt angespannt und chaotisch, aber nicht hoffnungslos, auch wenn es zwischendurch so scheine. Was sie erzählt, berührt mich sehr. Deshalb möchte ich diese Zeilen mit Ihnen teilen:

„„Jede Unterstützung wird benötigt und ist hilfreich“ – ein Brief aus Moria“ weiterlesen

Minister Seehofers Ordnungssinn

Ordnung und Humanität” gehören für Bundesinnenminister Horst Seehofer in der Migrationspolitik zusammen – aber nur in dieser Reihenfolge! Wehe, jemand bringt die Ordnung durcheinander und setzt die Humanität an die erste Stelle. Das stört das persönliche Rechtsempfinden nicht nur Seehofers, sondern all derer, die mit den Brüchen des wirklichen Lebens nur schwer zurechtkommen. „Minister Seehofers Ordnungssinn“ weiterlesen

Flüchtlingspolitik mit Köpfchen

Eine menschenwürdige Flüchtlingspolitik beginnt im Kopf. Sie braucht die richtigen Konzepte und den Einsatz von vielen engagierten Menschen. Aber vor all dem braucht sie eine innere Haltung. Ein ethisches Fundament, auf dem die handelnden Menschen stehen. Und genau daran mangelt es aktuell in der deutschen und in der europäischen Flüchtlingspolitik. Sie droht zu einer Grenzsicherungs- und Abschiebungspolitik zu verkommen. „Flüchtlingspolitik mit Köpfchen“ weiterlesen

Europa der Menschenrechte

„Fluchtwege nach Europa – Was hat das mit uns zu tun? Herausforderung für Politik und Kirche.“ Über dieses Thema haben wir am Dienstagabend geredet – EKBO-Bischof Christian Stäblein, Annalena Baerbock (MdB), die Bundesvorsitzende der Grünen und ich. Es war eine „Geisterdiskussion“. Also ohne Publikum vor Ort, aber dank eines Livestreams nicht unter Ausschluss der Öffentlichkeit.

Die humanitäre Katastrophe an den europäischen Außengrenzen verdient so viel mehr Aufmerksamkeit, als einige schräge Impfgegner. Sie schreit nach einer konstruktiven öffentlichen Debatte und gehört jetzt ganz nach oben auf die europapolitische Agenda. Auch wenn der mediale Scheinwerfer auf Corona fixiert ist: Eine Reform des europäischen Asylrechts ist überfällig. „Europa der Menschenrechte“ weiterlesen

Beeindruckende Lebenskraft und sehr viel menschliche Not

Er sitzt mir im Rollstuhl gegenüber. Ein kräftiger junger Mann, die Baseballkappe verkehrt herum auf dem Kopf. Vor drei Jahren schon verlor Mohammed in Damaskus bei einem Bombenanschlag beide Beine und einen Arm. Auf einem Auge ist er seitdem fast erblindet. Seit neun Monaten lebt der 28-Jährige in einer diakonischen Einrichtung* für besonders schutzbedürftige Flüchtlinge in Berlin-Lichterfelde.

Präsident der Diakonie Ulrich Lilie unterhält sich mit Mohammed, der im Rollstuhl sitzt.
In der Gemeinschaftsunterkunft in Lichterfelde leben 280 besonders schutzberdürftige Geflüchtete – so wie Mohammed. © Ute Burbach-Tasso

Tischler hat er in Syrien gelernt, erzählt er mir in gebrochenem Deutsch, einer der Betreuer – seit fünf Jahren in Deutschland – übersetzt. Grafik-Design würde Mohammed jetzt gerne studieren. Er möchte gestalten und wünscht mir Frieden und Erfolg, als wir uns verabschieden. „Beeindruckende Lebenskraft und sehr viel menschliche Not“ weiterlesen

Gespräch mit der Bundeskanzlerin zu Integration und Aufnahme

Zu einem Gespräch mit der Bundeskanzlerin traf ich mich heute mit anderen Vertreterinnen und Vertretern von gesellschaftlichen Gruppen, die sich bei der Aufnahmen und Integration von Flüchtlingen engagieren.  Dabei stimmten alle in einem Punkt überein: Wir stehen vor einer großen Herausforderung, die wir gemeinsam sehr wohl und sehr gut bewältigen können und zwar so, dass das eine Bereicherung für unser Land ist. Mehr dazu im Video.

Ein langer Weg – Kirche, Frauentag und Integration

Der Internationale Frauentag am 8. März – ein wichtiger Aktionstag? In Kirchenkontexten eher nicht. Die Verwurzelung des Frauentages im sozialistischen also oft kirchenfeindlichen Milieu und eine mitunter reflexhafte Skepsis gegenüber feministischen Positionen haben zu seiner Beliebtheit in den evangelischen Kirchen nicht gerade beigetragen. Es gibt den Weltgebetstag der Frauen, der auch Anfang März begangen wird, aber er hat eine andere Tonalität.

An der Gleichgültigkeit dem Internationalen Frauentag gegenüber wird etwas sichtbar, was gerade in Zeiten, in denen so leidenschaftlich um Integration gestritten wird, ebenso banal wie bemerkenswert ist: Es gibt Grundwerte unserer Gesellschaft, die inzwischen so selbstverständlich sind, dass man gefährdet ist zu vergessen, wie hart die Kämpfe um ihre Durchsetzung waren; und immer noch sind. Dazu gehört der Artikel 3 des Grundgesetzes, der fordert, dass Frauen und Männer gleichberechtigt sind, und dass der Staat die tatsächliche Gleichberechtigung auch durchzusetzen hat. Der Internationale Frauentag unterstützt das Bewusstsein für die Kostbarkeit der Gleichheitsrechte unter den Geschlechtern in unserer Gesellschaft. „Ein langer Weg – Kirche, Frauentag und Integration“ weiterlesen

Die Flüchtlingskrise als Herausforderung für unser Selbstverständnis

Rede zum Neujahrsempfang in der Evangelische Akademie Bad Boll am 10. Januar 2016

“Ich bin ein Fremder gewesen, und ihr habt mich aufgenommen.” (Mt 25,35)

Lieber Herr Stepanek, lieber Herr Dr. Hübner, sehr geehrte Damen und Herren,

weiß von Ihnen noch jemand, welches Wort die „Gesellschaft für deutsche Sprache“ zum Wort des Jahres 2014 gekürt hatte? Es war das Kunstwort „Lichtgrenze“. Es bezog sich auf die Berliner Feierlichkeiten zum 25. Jahrestag des Mauerfalls. Auf die Lichtballon-Grenze quer durch die Stadt. Ein entscheidender Tag für unser Land, als die Mauer fiel; ein starkes, aber flüchtiges Bild im vorvergangenen Jahr als tausende dieser leuchtenden Ballons gen Himmel stiegen – und die für wenige Tage noch einmal sichtbare Grenze ein letztes Mal verschwand. „Die Flüchtlingskrise als Herausforderung für unser Selbstverständnis“ weiterlesen

Streiten für die Offene Gesellschaft

Ich empfehle seit einiger Zeit eine Homepage: www.die-offene-gesellschaft.de. Das ist die Internetseite zu einem großartigen privat initiierten Diskussions-Projekt, das nun bereits mehr als drei Monate durch Deutschland tourt und weiter touren wird.

Debatte "Die offene Gesellschaft" im SO36 © Janny Schulz
Debatte “Die offene Gesellschaft” im SO36 © Janny Schulz

Viele tausend Menschen von Schwedt bis Saarbrücken, von Stralsund bis Freiburg i.Br. sind bislang der Einladung gefolgt, sich mit der Frage zu beschäftigen, die offenbar vielen  auf den Nägeln brennt: „Welches Land wollen wir sein?“ „Streiten für die Offene Gesellschaft“ weiterlesen